Dokumente aus der Stauferzeit in Innsbruck gefunden

27. Juli 2005, 12:32
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Forscherfreude über Glücksfall: Abschriften von Briefen und Mandaten Kaiser Friedrichs II. bisher großteils unbekannt

Innsbruck - Ein Sensationsfund ist in der Universitätsbibliothek Innsbruck gemacht worden: In einem 700 Jahre alten Pergamentcodex wurden rund 200 Abschriften von Briefen und Mandaten des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. (gest. 1250), seines Sohnes Konrad IV. und anderer Persönlichkeiten des 13. Jahrhunderts entdeckt. Rund 130 dieser Dokumente aus dem Mittelalter waren bisher noch unbekannt.

Die Sammlung stammt aus der Kartause Allerengelberg in Schnals in Südtirol und befindet sich seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Innsbrucker Universitätsbibliothek. Dass die einzigartigen Dokumente so lange unentdeckt in der Bibliothek schlummerten, liegt laut den Entdeckern u. a. am "nichts sagenden bzw. irreführenden Titel des unscheinbaren, kleinformatigen Codex", der "Notule rhetoricales diverse" ("Verschiedene rhetorische Anmerkungen") lautet.

Extrem seltener Fund

Entdeckt und identifiziert wurden die Texte vom pensionierten Direktor der Universitätsbibliothek Walter Neuhauser und dem Innsbrucker Mittelalterhistoriker Josef Riedmann. Das Auftauchen einer derartigen Menge hochwertiger neuer Quellen aus dem Mittelalters sei extrem selten und ein ausgesprochener Glücksfall, erklärten die Finder. Der Vergleich mit dem Ötzi-Fund dränge sich auf.

"Unsere Fundstücke sind wahrscheinlich nicht ganz so öffentlichkeits- und werbewirksam wie der Mann aus dem Eis", relativierte Riedmann. Dennoch stehe laut Expertenmeinung außer Zweifel, dass der Innsbrucker Codex das Wissen über die späte Stauferzeit bedeutend erweitern werde. Das betreffe vor allem die kurze Regierungszeit Konrads IV. (gest. 1254), dessen Biografie nach diesem Fund wohl neu geschrieben werden müsse. Die Zahl der bekannten, von diesem Herrscher ausgestellten Schreiben werde durch die neuen Texte etwa verdreifacht. (APA)

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