Prosperierende Auslandstöchter

27. Juli 2005, 17:11
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Vor allem die Töchter heimischer Unternehmen in Osteuropa sorgen erstmals für mehr Gewinne im Ausland als ausländische Unternehmen in Österreich erzielen

Wien - Dank der forcierten Osteuropa-Expansion österreichischer Unternehmen hat sich 2004 die historische "Direktinvestitionslücke" zugetan: Mit 52,3 Mrd. Euro hielten Ende 2004 Österreichs Firmen schon mehr strategisches Kapital an ausländischen Unternehmen wie ausländische Investoren an österreichischen Betrieben (51,9 Mrd. Euro). Das ging aus dem Anfang Juli vorgestellten Wirtschaftsbericht 2005 der Bundesregierung hervor. Ein weiteres Detail über das grenzüberschreitende Gewinn-Gefüge liefert die "Direktinvestitionsbefragung" für das Jahr 2003 der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) nach, die am Montag publiziert wurde.

Mit 3,3 Mrd. Euro haben die österreichischen Auslandstöchter demnach im Jahr 2003 erstmals auch einen höheren Jahresgewinn erzielt als heimische Betriebe unter ausländischem Einfluss, deren Gewinn sich auf 3,2 Mrd. Euro belief.

Im Vergleich zum Jahr 2002 hatten die Erträge österreichischer Beteiligungsunternehmen im Ausland im Berichtsjahr 2003 um eine halbe Milliarde Euro oder 20 Prozent zugelegt, während die Töchter ausländischer Firmen in Österreich einen Gewinnrückgang in der gleichen Größenordnung erlitten.

Die Eigenkapitalrentabilität österreichischer Direktinvestitionen, in den frühen 90-er Jahren gelegentlich negativ, erreichte 2003 mit 8,5 Prozent einen Höchststand, sie lag aber immer noch unter der Rendite österreichscher Unternehmen unter Auslandseinfluss mit 9,4 Prozent, heißt es in der OeNB-Auswertung.

>Zentral- und Osteuropa an der Spitze

Besonders erfolgreich waren, so die Notenbank, einmal mehr die österreichischen Töchter und Beteiligungen in Zentral- und Osteuropa (CEE), wobei die acht Beitrittsländer 1,2 Mrd Euro und die übrigen 11 CEE-Länder 700 Mio. Euro zum positiven Jahresergebnis beitrugen.

Was die Direktinvestitionen betrifft, so gab es bereits von 2002 auf 2003 einen Zuwachs der österreichischen strategischen Beteiligungskäufe im Ausland (Bestand) um 9,4 Prozent, während das Unternehmensvermögen von Ausländern in Österreiche nur um 2,8 Prozent gewachsen war. Damit verzeichnete die seit mehr als 30 Jhren bestehende Erhebung der OeNB ertmals mehr aktive als passive Direktinvestitionen. Stark zugenommen hat das Engagement in Ost- und Südosteuropa. In Nordamerika gab es Rückgänge, in Lateinamerika Zuwächse. Schwach vertreten blieb Österreich in der Boomregion Asien: Nur 1,7 Prozent der Direktinvestitionen flossen laut OeNB-Erhebungen bis Ende 2003 dorthin.

Jeder zehnte Arbeitsplatz im Ausland

In 2.586 ausländischen Betrieben unter österreichischem Einfluss arbeiteten Anfang 2004 rund 327.700 Menschen. Das heißt, dass bereits etwa jeder zehnte Arbeitsplatz im Ausland liegt, und hier vor allem wieder in Osteuropa. Im Durchschnitt hatte jeder österreichische Auslandsinvestor zur Zeit des Jahreswechsels 2003/2004 rund 45,7 Mio. Euro im Ausland veranlagt, schreibt die OeNB.

Besonders ausgeprägt schlägt sich Österreichs Osteuropa-Präsenz in den Jobzahlen nieder: Zum Jahreswechsel 2003/04 arbeiten 233.400 von 327.700 Auslandbeschäftigten österreichischer Firmen in Zentral- und Osteuropa - davon 61.100 in Tschechien, 55.300 in Ungarn, 28.500 in der Slowakei und 26.300 in Polen. In der EU-15 befanden sich nur 64.000 Arbeitsplätze, also ein knappes Fünftel. Außerhalb Europas sind österreichische Unternehmen mit 25.700 Beschäftigten nur wenig aktiv: Nach den USA und Australien folgte China zum OeNB-Berichtszeitpunkt (Ende 2003) mit 2.000 Beschäftigten in "österreichischen" Unternehmen an dritter Stelle.

Mehr Arbeitsplätze bei ausländischen Unternehmen

Dass sich die ausländischen Investoren aber trotz der geringen Zunahme keinesfalls vom Standort Österreich verabschiedet haben, erkennt man - so die OeNB - daran, dass 2003 sowohl die Zahl der Investoren (um 81 auf 3.159) als auch die Zahl der direkt abhängigen Unternehmen (um 46 auf 2.679) zugenommen haben. Gewachsen sei schließlich auch die Zahl der Arbeitsplätze in ausländisch beeinflussten Unternehmen in Österreich - um 7.000 auf 251.900.

In Östereich dominieren weiterhin EU-Investoren: 73 Prozent der passiven Direktinvestitionen befanden sich zu Jahresbeginn 2004 in deren Händen, davon allein 40 Prozentpunkte in deutschem Besitz. Auf das übrige Europa kommen weitere 10 Prozent, darunter vor allem die Schweiz und Liechtenstein. Wichtigste außereuropäische Unternehmenseigentümer in Österreich sind die USA mit 10 Prozent, während Geldgeber aus Japan oder den Golfstaaten nur noch 2 Prozent bzw. 1 Prozent hielten (Stand Ende 2003). (APA)

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