Kovats will deutschen Autozulieferer übernehmen

19. Juli 2005, 08:41
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"Financial Times Deutschland": Bankhaus Metzler verkauft 68 Prozent an Müller Weingarten

Wien/Frankfurt - Der österreichische Großinvestor Mirko Kovats will vom Frankfurter Bankhaus Metzler den schwäbischen Autozulieferer Müller Weingarten kaufen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe). "Der Deal ist so gut wie fertig ausverhandelt und soll demnächst offiziell bekannt gegeben werden", so die Zeitung unter Berufung auf Wiener Finanzkreise. Die Beteiligten hätten dazu keine Stellungnahme abgeben.

Analysten schätzten den Wert von Müller Weingarten auf 100 Mio. Euro. Das Bankhaus Metzler hält 68 Prozent an dem Unternehmen und suche seit Jahren einen Käufer. Rund 10 Prozent der Aktien lägen im Streubesitz. Mit Müller Weingarten stehe Kovats vor seinem ersten großen Zukauf in Deutschland. Zuletzt hatte Kovats etwa die Mehrheit am Schweizer Mischkonzern Unaxis erworben - mit 7.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,85 Mrd. Franken (1,186 Mrd. Euro) eines der größten Unternehmen der Schweiz.

Mit Unaxis und Müller Weingarten wachse das Industrieimperium von Kovats auf knapp 3 Mrd. Euro und 17.000 Mitarbeiter.

Müller Weingarten erzielte 2004 einen Umsatz von 373,0 (412,9) Mio. Euro. Der Konzernjahresüberschuss lag bei 8,8 (3,0) Mio. Euro. Beschäftigt sind rund 2.450 Mitarbeiter. Das Unternehmen stellt überwiegend Großpressen für die Autoindustrie her. Wegen des anhaltenden Preisdrucks und des starken Wettbewerbs geht das Unternehmen davon aus, dass der Gewinn in diesem Jahr stagniert. Der Umsatz soll hingegen auf 400 Mio. Euro wachsen.

Zu schaffen macht dem Unternehmen derzeit die Abhängigkeit von der Autoindustrie. Wegen der stagnierenden Märkte sinke die Investitionsbereitschaft der Hersteller, hatte Müller Weingarten zuletzt bei der Bilanzpressekonferenz gesagt.

Mit einem Sparprogramm in Deutschland und dem Ausbau des Geschäfts in China, Indien und Osteuropa konnte das Unternehmen die Ertragslage bisher weitgehend stabil halten. Der Auftragsbestand lag zum Bilanzstichtag 2004 bei 439,7 Mio. Euro. Michael Heinrich, Vorstandschef von Müller Weingarten, scheidet am 30. September vorzeitig aus dem Unternehmen aus.

Marke soll erhalten bleiben

Kovats wolle Müller Weingarten dem Vernehmen nach in seinen Konzern A-Tec Industries eingliedern, so die "FTD". Die Marke Müller Weingarten solle allerdings erhalten bleiben. Die A-Tec Industries solle nach der Integration des schwäbischen Unternehmens aller Voraussicht nach im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden. Als mögliche Börsenstandorte habe Kovats zuletzt Frankfurt, Wien oder Zürich genannt. Der Zukauf in Deutschland soll laut Zeitung mit Bankkrediten finanziert werden. Zudem wolle A-Tec Industries im Herbst eine Unternehmensanleihe auflegen.

Das Bankhaus Metzler hatte vor vier Jahren rund 68 Prozent an Müller Weingarten übernommen mit dem Auftrag, für den Anteil einen neuen Investor zu finden. Ein Verkauf des Maschinenbauers an ein anderes Unternehmen aus der Branche habe sich aus kartellrechtlichen Gründen schwierig gestaltet. Der Pressenhersteller verfüge über eine sehr starke Stellung am Markt. Deshalb habe der Göppinger Konkurrent Schuler eine Übernahme von Müller Weingarten aufgegeben. (APA)

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