Britische Sunniten verurteilen Terroranschläge

21. Juli 2005, 22:21
81 Postings

Fatwa gegen Selbstmord-Attentate - Anzahl der Todesopfer auf 56 gestiegen - Polizei korrigiert Bericht über Festnahmen

Birmingham/London/Chautauqua - Zehn Tage nach den Anschlägen von London hat die größte Organisation sunnitischer Muslime in Großbritannien am Sonntag den Terror verurteilt. Der Rat der Sunniten (Jama'at e Ahl e Sunnat) erklärte in einer Fatwa, einem verbindlichen Religionsedikt, dass die Anschläge die Grundsätze des Islams verletzt hätten. Jede Art von Selbstmord-Anschlag sei ein Verstoß gegen den Koran, hieß es in der in Birmingham veröffentlichten Erklärung.

"Wer hat irgendjemandem das Recht gegeben, andere zu töten? Das ist eine Sünde. Jeder, der Selbstmord begeht, kommt in die Hölle", erklärte Mufti Muhammad Gul Rehman Qadri, der Vorsitzende des Rats der Sunniten. "Was in London geschehen ist, ist ein Sakrileg. Es ist eine Sünde, sich oder anderen das Leben zu nehmen." Und weiter hieß, die Verurteilung der Taten richte sich auch gegen die Hintermänner der Anschläge.

Keine Festnahmen im Terror-Zusammenhang

Die britische Polizei korrigierte am Sonntagabend eine zuvor verbreitete Meldung, wonach in der nordenglischen Industriestadt Leeds sechs Personen unter Terrorverdacht festgenommen worden seien. Bei den Personen bestehe der Verdacht auf ein Vergehen im Zusammenhang mit Einwanderungsgesetzen, hieß es.

Die US-Botschaft in London entschuldigte sich bei einem Führer der britischen Muslime, dass ihm die Einreise in die USA zuvor verweigert worden war. Zaki Badawi, Imam einer Moschee in London, war zu einem Vortrag in Chautauqua im US-Staat New York eingeladen worden. Bei der Ankunft in New York wurde ihm dann aber am Mittwoch die Einreise verweigert. Er wurde sechs Stunden auf dem Flughafen festgehalten und verhört. Aus Sicherheitskreisen hieß es dazu, sein Name sei auf einer Terrorliste aufgetaucht. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Opferanzahl gestiegen

Die Terroranschläge haben ein 56. Todesopfer gefordert. Das teilte die Polizei am Montag mit. Der Todesfall wird der Bombenexplosion auf der U-Bahnlinie Circle Linie zwischen den Stationen Liverpool Street und Aldgate zugerechnet, wo somit acht Personen ums Leben gekommen sind.

Bei der Explosion im Bus am Tavistock Square starben 14 Menschen, bei der Explosion in einem Circle-Line-Zug in der Station Edgware sieben Personen. 27 Menschen ließen wegen der Explosion auf der Picadilly Line zwischen den Stationen King's Cross und Russell Square ihr Leben. 700 Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt.

Die Ermittlungen nach den Anschlägen vom 7. Juli wurden unterdessen weiter intensiviert. In der nordenglischen Stadt Leeds wurde am Montag ein islamischer Buchladen abermals überprüft. Zugleich kündigten die pakistanischen Behörden Nachforschungen zu den Besuchen von drei der vier Tatverdächtigen in Karachi an. (APA/AP)

Share if you care.