Uruguay: Militärs gegen Prozesse wegen Diktaturverbrechen

19. Juli 2005, 16:37
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General bietet bei Gerichtsvorladung "Asyl" in seiner Kaserne an - Kommando entzogen

Montevideo - Im Militär des südamerikanischen Landes Uruguay regt sich erheblicher Widerstand gegen Strafprozesse wegen Verbrechen unter der Militärdiktatur (1973-1985). Der Chef des Heeres, General Angel Bertolotti, habe einem Divisions-Kommandanten, General Juan Córdoba, das Kommando entzogen, hieß es nach Medienberichten vom Sonntag.

Córdoba hatte Kameraden, die eine Vorladung vor Gericht erhalten sollten, "Asyl" in seiner Kaserne angeboten. Es sei mit der Ablösung einer Reihe weiterer Generäle aus ähnlichen Gründen zu rechnen, schrieb die Zeitung "El Pais" (Montevideo).

In Uruguay sind noch mindestens 135 von den Militärs vor allem in den 70er Jahren verschleppte Menschen bis heute verschwunden. Hunderttausende wurden damals in Gefängnissen und Kasernen zum Teil jahrelang ohne Anklagen festgehalten und gefoltert. Die Amnestie wurde 1986 von der demokratischen Regierung erlassen und später durch eine Volksbefragung bestätigt.

Gegner der Amnestie sprachen von einer Entscheidung unter dem Druck von Drohungen des Militärs mit neuer Gewalt. Historiker verweisen jedoch darauf, dass auch Teile der demokratischen Parteien in die Diktatur verwickelt waren und deshalb eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fürchteten. (APA/dpa)

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