"Ich steh zu meiner Selbstdarstellung"

25. Juli 2005, 10:17
76 Postings

Markus Rogan ist diese Woche in Montreal Österreichs größte Hoffnung - Inter­view über Konflikte, Werbung und Freund Aaron

der Standard: Mit welchen Erwartungen werden Sie in Montreal antreten?
Rogan: Ich werde versuchen zu gewinnen. Das versuche ich seit Jahren, und es ist noch nie gelungen. Ich fahr zum dritten Mal zur WM, ich bin draufgekommen, viele wissen gar nicht, dass ich noch nie Weltmeister war. Ich mach's wie immer, ich fahr hin und schau, was rauskommt. In zehn Jahren wird's wurscht sein, ob ich bei dieser WM Zweiter, Dritter oder Vierter war. Wenn ich kein einziges Mal Weltmeister war, wird's immer heißen, das war der, der immer Zweiter war.

STANDARD: Es gab große Probleme zwischen Ihnen und dem heimischen Verband. Sie sind bei "Vera" aufgetreten und haben dem Verbandspräsidenten Paul Schauer die Handschlag-qualität abgesprochen. Wie sieht's jetzt aus?
Rogan: Ich muss mich bedanken bei Paul Schauer. Wir haben die beste Ausrüstung, die wir je hatten. Unser Verhältnis ist konstruktiv, es wird gut gearbeitet. In der Hitze des Gefechts wurden Dinge gesagt, die nicht so gemeint waren. Ich bin stolz, wie konstruktiv wir den Konflikt gelöst haben. In mancher Hinsicht sind wir weltführend unterwegs.

STANDARD: In welcher Hinsicht?
Rogan: Wir Sportler haben die Freiheit, uns unsere Ausrüstung selbst auszusuchen, und die Möglichkeit, mit mehreren Ausrüstern zu kooperieren. Im Verband ist Leistung absolut entpolitisiert, die Schwimmer können alle Komponenten, die ihre Leistungen bedingen, selbst bestimmen. Das heißt auch, ich habe absolut kein Recht, jemand anderen für eine schlechte Leistung verantwortlich zu machen.

STANDARD: Wie lange war die Auszeit, die Sie sich nach Olympia gegönnt haben?
Rogan: Ich hab erst im Februar so richtig Pause gemacht, war in Miami. Es war der erste selbst geplante und selbst finanzierte Urlaub in meinem Leben. Ich bin mit Delfinen geschwommen, das ist sehr zu empfehlen. Da merkt man erst, wie wenig man selbst kann.

STANDARD: Ist so die Vorbereitungszeit auf die WM nicht relativ kurz geraten?
Rogan: Es ist sich alles ausgegangen, ich glaube, ich bin gut in Form. Höhentraining hab ich halt keines absolviert, das heb ich mir für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking auf.

STANDARD: Vor einem Jahr waren Sie gerade mit dem Studium fertig, geht Ihnen das Lernen nicht ab?
Rogan: Es ist nicht meine Art, mich nur über den Sport zu definieren. Ich fordere mich nach wie vor nebenbei intellektuell heraus. Ich habe mehrere Reden gehalten zu den Themen Angst, Erfolg und Teamgeist, ich habe einige Dinge moderiert, mich deshalb auch mit Publikums-Psychologie beschäftigt.

STANDARD: Mit Publikums-Psychologie haben wohl auch jene Rollen zu tun, die Sie in etlichen Werbespots spielen . . .
Rogan: Die Schauspielerei in der Werbung ist der absolute Spaß. Und sie erfüllt zu hundert Prozent meinen selbstdarstellerischen Drang, gibt mir narzisstische Befriedigung. Ich sehe, wie schlecht ich als Schauspieler bin. Aber ich werde allmählich besser, und ich habe auch ein gewisses Mitspracherecht bekommen. Wichtig ist, dass der Spot dem Auftraggeber passt - und dass er mir passt.

STANDARD: Die neuen Cosmos-Spots, nur beispielsweise, gefallen Ihnen also?
Rogan: Absolut. Und wenn die Verkaufszahlen steigen, ist mir eine akademische oder intellektuelle Revue relativ egal. Dann fühl ich mich, als hätte ich meine Leistung erbracht. Ich steh zu meiner Selbstdarstellung, ich steh zu meinen Werbungen, ich steh dazu, dass ich mich damit selbst finanziere. Und ich bin stolz, weil ich es ausgehalten habe, nicht verschluckt zu werden.

STANDARD: Sie haben also auch Angebote abgelehnt?
Rogan: Das glaubt mir keiner, aber ich hab vier- bis fünfmal mehr Angebote ausgeschlagen, als ich angenommen habe. Weil sie mir nicht gefallen haben. Einen Teil dieser Werbungen gibt es längst mit anderen Darstellern.

STANDARD: Wie hat sich eigentlich Ihre Beziehung zu Ihrem Freund Aaron Peirsol entwickelt, jenem Mann, der Sie bei Olympia in Athen zweimal bezwungen hat?
Rogan: Das ist lustig. Eine Viertelstunde vor jenem Wettkampf in Berlin, bei dem ich im Jänner seinen Kurzbahn-Weltrekord über 200-m-Rücken nur um 0,15 Sekunden verfehlt hab, haben wir uns noch per E-Mail unterhalten. Seit damals gibt's keinen Kontakt, wobei nicht das Eine das Andere bedingt haben muss. Aber er wäre an der Reihe, sich zu melden, und er hat auch auf einige E-Mails nicht geantwortet. Die Welt geht nicht unter, wir werden uns in Montreal sicher wie die besten Freunde begrüßen, wir wissen beide ganz genau, was beim Publikum gut ankommt.

STANDARD: Wie wichtig ist es für Ihre Motivation, dass Sie einen wie Peirsol vor sich haben?
Rogan: Aaron hält mich von vielem ab. Er ist Inspiration und eine Leitfigur, er führt mir unangenehm vor Augen, was ich besser machen könnte. Das ist offensichtlich. Er liegt viel höher im Wasser als ich.

STANDARD: Weshalb Sie, wie Ihr Trainer Robert Michlmayr sagt, auch Ihre Haltung leicht adaptiert haben?
Rogan: Ich bemühe mich, den Kopf im Wasser etwas weiter zurückzulegen, damit das Becken weiter hinaufkommt. Und ich will schneller in die Wenden hineingehen, ohne dabei nach der Wende Zeit zu verlieren. Unter Wasser und auf den letzten Metern bin ich schneller als Aaron.

STANDARD: Wie geht man in eine Wende schneller hinein?
Rogan: Man spannt die Bauchmuskeln an. Man nimmt Schwung und bemüht sich, die Wand nicht anzustarren. Wer die Wand anstarrt, macht eine schlechte Wende. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 18. Juli 2005, Fritz Neumann)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Markus Rogan bereitet sich dieser Tage in Ottawa auf Montreal vor. Bei der WM wird er über 50-, 100- und 200-m-Rücken zu sehen sein. Auf den beiden längeren Distanzen zählt er zu den Favoriten.

Share if you care.