Aus für Kopfsteinpflaster in Rom

22. Juli 2005, 15:52
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Stadtverwaltung will stattdessen geräuscharmen Asphaltbelag

Rom - Den Vespa-Fahrern sind die kleinen Steinchen seit jeher ein Gräuel und die Italienerinnen verfluchen sie als "Stöckelschuhfalle": So schön das historische Kopfsteinpflaster im Zentrum Roms, auch aussehen mag, viele Bürger haben genug von ihm. Jetzt hat die Stadtverwaltung entschieden, zumindest in Teilen der Ewigen Stadt auf geräuscharmen Asphalt umzusatteln.

"Die Wartungsarbeiten für diese Pflasterart sind einfach zu teuer, deshalb werden wir sie an strategischen Punkten durch moderneres Material ersetzen", erklärte Bürgermeister Walter Veltroni. Rund 21 Millionen Euro haben die Verantwortlichen locker gemacht, um die Straßen glatter und sicherer zu gestalten.

Vor allem Zweiradfahrer sind froh: Zumindest auf der viel befahrenen Tiber-Promenade und anderen Straßen des Zentrums hat die nervenaufreibende Suche nach tückischen Löchern und Unebenheiten bald ein Ende. "Vielleicht kann ich dann endlich mit hochhackigen Schuhen durch Rom laufen. Bisher blieb einem alle zwei Meter der Absatz in einem Loch hängen, das sieht immer so peinlich aus", freut sich auch eine 24-jährige Studentin.

Hübsche Schuhkiller

Aber da ist auch die andere Seite: Die historischen "Sampietrini" gehören zu Rom wie der Eiffelturm zu Paris, sind wunderhübsch anzusehen. "Gerade am Tiber, der von hohen Bäumen gesäumt ist, sieht der Pflasterstein einfach toll aus. Ich finde, man kann die Geschichte nicht einfach so der Modernität opfern", meint Carlo, ein 36-jähriger gebürtiger Römer.

Schließlich zieren die quadratischen kleinen Steine seit über 400 Jahren die Straßen Roms. Zunächst wurden sie auf dem Petersplatz verlegt - daher der Name "Sampietrini", der so viel bedeutet wie "kleine Sankt Peterleins".

Bei dem Belag handelt es sich um 280.000 Jahre altes Vulkangestein, das in Steinbrüchen rings um Rom abgebaut wurde. Deshalb sollen alle durch Asphalt ersetzten "Sampietrini" auch in Depots der Stadt aufbewahrt werden, um sie in Zukunft wieder verwenden zu können.

Touristen und einheimische Fans des Gesteins können jedenfalls aufatmen: In den kleinen, als Fußgängerzone markierten Gässchen des Zentrums und auf der gewaltigen Piazza Venezia soll das Kopfsteinpflaster nach dem Willen der römischen Stadtherren ohnehin liegen bleiben. (Carola Frentzen/dpa, DER STANDARD-Printausgabe, 18.7.2005)

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