Familien der Täter kondolieren den Hinterblieben

19. Juli 2005, 12:35
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"Von Herzen kommendes Mitgefühl" - Radikale Imame: Manche Anschläge gerechtfertigt

London - Die Ehefrau des aus Jamaika stammenden Attentäters von London hat den Hinterbliebenen der Opfer ihr Mitgefühl ausgesprochen. "Ich bin geschockt von den Gräueltaten, die in London begangen wurden und verurteile sie ganz und gar", schrieb Samantha Lewthwaite, die Frau des Attentäters Germaine Lindsay, am Wochenende in einer Erklärung. "Ich hätte niemals geglaubt oder vorausgesagt, dass er in solch furchtbare Dinge verwickelt sein könnte. Er war ein liebender Ehemann und Vater."

Auch die Familie von Mohammed Sidique Khan sprach den Hinterbliebenen ihr "tiefstes und von Herzen kommendes Mitgefühl" aus. Das Vorgehen ihres Sohnes sei nur dadurch zu erklären, dass dieser einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden sei. Sie rief alle Mitbürger dazu auf, bei der Klärung der Anschläge mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Die Polizei müsse die "Terrornetzwerke" unschädlich machen, "die unsere Söhne ins Visier nehmen und sie zu solchen Untaten verleiten".

Ähnlich äußerten sich die Verwandten von Hasib Mir Hussain: "Hasib war ein normaler und liebevoller junger Mann, der uns keine Sorgen bereitete. Es fällt uns schwer, das Geschehene zu akzeptieren. Wir hätten alles in unserer Macht stehende getan, um ihn zu stoppen."

Ein Onkel des vierten Attentäters, Shahzad Tanweer, äußerte dagegen Verständnis für die Tat: "Diese Selbstmordattentäter sind verzweifelte Menschen", zitierte die britischen Boulevardzeitung The News of the World Bashir Ahmed. "Ihnen werden ihre Rechte verwehrt. Sie können sehen, dass ihren Brüdern ihre Rechte verwehrt werden." Deshalb griffen sie zu extremen Aktionen. "Dieser Junge hat sich einen Namen gemacht in der Welt. Muslime nennen es Opfer, Europäer nennen ihn einen Terroristen."

Keine Distanzierung

Muslimische Führer verurteilten indes bei einem Treffen die Terroranschläge, distanzierten sich aber nicht klar von allen Selbstmordattentaten. Anschläge auf Besatzungstruppen wie im Irak oder Israel könnten manchmal gerechtfertigt sein, erklärten die 22 Imame und Gelehrte. (red, DER STANDARD, Print, 18.7.2005)

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