Tourismus als Terrorziel

26. Juli 2005, 18:00
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Terroristen wollten den wirtschaftlich wichtigen Tourismus treffen - Behörden gehen vorerst von kurdischem Hintergrund aus

Der Tod kam auf dem Weg zum Strand. Um 9.30 Uhr am Samstagmorgen explodierte in einem Minibus im türkischen Ferienort Kusadasi eine Bombe und tötete fünf Menschen. Weitere 13 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Minibus war kurz zuvor im Stadtzentrum gestartet und befand sich auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Strand. Er war ausschließlich mit Urlaubern besetzt. Unter den Getöteten sind eine englische und eine irische Touristin. Außerdem traf es ein 17-jähriges Mädchen, eine weitere Frau und einen Mann.

Der Bus wurde von der Bombe fast vollständig zerfetzt. Die Uferpromenade von Kusadasi bot ein Bild des Grauens. Leichenteile und verstümmelte Menschen waren in einem weiten Umkreis verteilt, geschockte Passanten versuchten, erste Hilfe zu leisten. Die meisten Verletzten wurden per Hubschrauber in Krankenhäuser in die nahe gelegene Ägäismetropole Izmir geflogen. Österreichische Touristen waren nicht im Bus.

Ersten Vermutungen, bei dem Anschlag könne es sich um ein Selbstmordattentat gehandelt haben, widersprach die Polizei später. Die Bombe sei vermutlich als Paket unter einem Sitz deponiert worden. Experten der Polizei berichteten am Sonntag, die Bombe sei aus professionellem Plastiksprengstoff hergestellt worden. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um die selbe Tätergruppe handelt wie bei dem Anschlag im benachbarten Badeort Cesme vor einer Woche. In Cesme war eine Bombe in einem Abfalleimer deponiert worden und hatte 22 Menschen verletzt. Zu dem Anschlag in Cesme bekannte sich eine Terrorgruppe "Kurdische Freiheitsfalken" (TAK). In dem Schreiben kündigte die Gruppe weitere Attentate in Tourismuszentren an, um dem für die Türkei wichtigen Wirtschaftszweig zu schaden.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan verurteilte den Terroranschlag. Er kündigte an, die Überwachungsmaßnahmen weiter zu verschärfen, sagte aber gleichzeitig, dass es gegen Terroranschläge dieser Art keinen hundertprozentigen Schutz gebe. Der britische Außenminister Jack Straw verurteilte den Anschlag auf schärfste und versicherte die türkische Regierung seiner Solidarität. Unter Bezugnahme auf die kurdische Unabhängigkeitsbewegung sagte er, es gebe keinerlei Entschuldigung für derartigen Terror.

In den vergangenen Wochen wurde in der Türkei eine Reihe von Anschlägen auf Postzüge und Polizeistationen verübt, die etliche Todesopfer forderten und alle auf das Konto der verbotenen "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) gehen dürften. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.07.2005)

Von Jürgen Gottschlich aus Istanbul

Nachlese

Fünf Tote bei Anschlag in Ferienort

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    In dem Minibus in Kusadasi starben fünf Touristen, unter ihnen eine Britin und eine Irin.

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