Transithilfe quer durchs Welterbe

19. Juli 2005, 20:55
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Die S31 soll bei Eisenstadt um zehn Kilometer verlängert werden. Kritiker befürchten deshalb eine Transitlawine im Unesco-Welterbe am Neusiedler See.

Schützen am Gebirge - Hermann Frühstück ist, wenn schon nicht alarmiert, so doch besorgt. Der seit 2002 amtierende Umweltanwalt des Burgenlandes befürchtet, dass die geplante Verlängerung der S31 bis kurz vor Donnerskirchen den internationalen Transitverkehr in ein ausgewiesenes "sensibles Gebiet" - für das mit EU-Geld ein "Verkehrskonzept" erarbeitet wurde - lenken könnte.

Die Ausbaupläne haben eine lange Geschichte. Die ursprünglich ins Auge gefasste Schnellstraßenverbindung zwischen Eisenstadt und Neusiedl scheiterte am Widerstand der Gemeinden, also ließ das Land dort 2001 über "kleinräumige Ortsumfahrungen" abstimmen. Bis auf Schützen - Nachbarort von Eisenstadt - waren alle Gemeinden dagegen. Und auch die Schützener stimmten nur einer zweispurigen Umfahrung im Süden zu. "Wir waren also einigermaßen überrascht", sagt Bibiane Watzek, Sprecherin der Bürgerinitiative, "als wir von den jetzigen Plänen gehört haben." Die sehen nämlich eine Trasse im Norden vor. Aber keine "kleinräumige Umfahrung", sondern schlicht die Verlängerung der S31, was "die Autobahnlücke zwischen Neusiedl und Eisenstadt um ein Drittel verringert". Darin sieht Hermann Frühstück die Hauptgefahr. Ab 2007 gebe es die "Spange Kittsee", die Route über Eisenstadt sei dann die kürzeste Transitverbindung zwischen dem Großraum Bratislava und der Südautobahn, der Transitdruck auf die vehementen Ausbaugegner - die Tourismusgemeinden Donnerskirchen, Purbach und Breitenbrunn vor allem - werde zunehmen.

Seltene Vogelarten

Zusätzlich gebe es noch lokale Naturschutzbedenken zu berücksichtigen, die geplante Trasse berühre immerhin ein unter Naturschutz stehendes Feuchtgebiet und führe knapp am Esterházy'schen Tiergarten vorbei, in dem seltene Vogelarten ein Rückzugsgebiet gefunden haben.

All das sei bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu beurteilen. Die allerdings sei nur bei Straßenbauten vorgesehen, die länger als zehn Kilometer sind. Laut Plan, den die Bürgerinitiative in der Hand hat, ist die Schützener Schnellstraße 10,2 Kilometer lang. Hermann Frühstücks Berechnungen kommen auf 9,8. "Das ist sonderbar." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD - Printausgabe, 18.7.2005)

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    Die geplante Trasse berührt ein unter Naturschutz stehendes Gebiet in dem Vogelarten wie die Grosstrappe beheimatet sind.

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