PKK bestreitet jede Beteiligung

26. Juli 2005, 18:00
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Hinweise auf möglichen Täter - Türkischer Soldat entführt - Touristen lassen sich nicht abschrecken

Ankara/Wien - Die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) hat jegliche Verantwortung für den Bombenanschlag von Kusadasi zurückgewiesen. Der militärische Anführer der Organisation, Murat Karayilan, erklärte am Montag, seine Leute hätten nichts mit der Bluttat zu tun. Bei dem Anschlag in dem Badeort an der türkischen Ägäis kamen am Samstag fünf Menschen ums Leben, darunter ein britischer und ein irischer Tourist. Die türkischen Behörden vermuten kurdische Rebellen hinter der Bombenexplosion in einem Kleinbus.

Papst Benedikt der XVI. veröffentlichte am Montag ein Kondolenzschreiben, in dem er von einem "schrecklichen Angriff" sprach. In der Nachricht an den päpstlichen Gesandten in Ankara drückte der Papst auch sein Mitgefühl für die Verletzten aus und sagte, er fühle mit dem türkischen Volk.

Erste Hinweise

Türkische Zeitungen berichteten von ersten Hinweisen auf den mutmaßlichen Bombenleger. Der Fahrer des Busses, in dem die Bombe explodierte, habe von einem etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann berichtet, der in den Stunden vor der Explosion mehrmals in dem Bus mitgefahren sei, meldete die Zeitung "Hürriyet" am Montag. Kurz vor der Explosion stieg der Mann demnach aus. "Hürriyet" und die Zeitung "Milliyet" berichteten, der Verdächtige sei am Tag des Anschlags zum ersten Mal bereits in der Früh zugestiegen und mit dem Bus zum Strand gefahren. Später sei er wieder eingestiegen und habe eine Tasche bei sich gehabt.

Laut der in Deutschland ansässigen kurdischen Nachrichtenagentur Mezopotamya bot Karayilan unterdessen die Freilassung eines entführten türkischen Soldaten an, falls die türkischen Streitkräfte ihre Offensive im Südosten des Landes beendeten. Man reagiere damit auf Gesuche von anderen kurdischen Aktivisten, eine Eskalation zu vermeiden, hieß es. Der Soldat Cöskün Kirandi wurde in der vergangenen Woche an einer Straßensperre bei Tünceli verschleppt.

Waffenstillstand seit 2004 beendet

Im Konflikt zwischen kurdischen Separatisten und türkischen Sicherheitskräften kamen seit 1984 37.000 Menschen ums Leben. Nach der Verhaftung von PKK-Chef Abdullah Öcalan Anfang 1999 erklärte die Untergrundorganisation einen einseitigen Waffenstillstand. Dieser wurde am 1. Juni 2004 für beendet erklärt. Seitdem nimmt die Gewalt wieder zu.

Trotz des Terroranschlags hält der Ansturm ausländischer Touristen auf die Türkei indes unvermindert an. Am Flughafen der Urlauberprovinz Antalya am Mittelmeer trafen am Sonntag mehr als 53.000 Touristen ein. Damit wurde der erst eine Woche zuvor aufgestellte Tagesrekord erneut übertroffen, wie am Montag die örtlichen Tourismusbehörden berichteten. Seit Anfang des Jahres kamen bisher 3,5 Millionen Urlauber mit dem Flugzeug nach Antalya. Das seien 26 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Vereinzelte Umbuchungen

Auch österreichische Reiseveranstalter sehen kaum Auswirkungen des Anschlags. Bisher habe es nur vereinzelt Anfragen zu Umbuchungen und Stornierungen für Türkei-Urlaube gegeben, sagte die Präsidentin des österreichischen Reisebüro-Verbands (ÖRV), Annemarie Richard, am Montag zur APA. Die Region Kusadasi sei bei den Österreichern nicht sehr nachgefragt, viel beliebter seien der Süden (Antalya) und Südwesten (Bodrum, Marmaris) der Türkei, erläuterte Verkehrsbüro-Sprecher Andreas Zenker. Die Mittelmeerküste im Süden im Türkei ist bisher von Bombenanschlägen verschont geblieben.

Die Türkei zählte mit 308.500 Urlaubsreisen und 3,37 Millionen Nächtigungen im Vorjahr zu den beliebtesten Urlaubszielen der Österreicher. Bei den organisierten Pauschalreisen, die über Reisebüros gebucht werden, ist die Mittelmeerdestination bei den österreichischen Urlaubern sogar das beliebteste Reiseziel. (APA/AP)

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