Friesachers Sponsormillionen werden zum Politikum

20. Juli 2005, 16:25
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Haider spricht von "privaten" Geldgebern - SPÖ, ÖVP und Grüne fordern Bekanntgabe der anonymen Financiers

Klagenfurt - Groß war die Freude in Kärnten, als am 15. Februar der 24-jährige Wolfsberger Patrick Friesacher beim Minardi-Rennstall einen Vertrag als Formel-1-Pilot erhielt. Fünf Monate später verfügte Minardi-Chef Paul Stoddart einen "Boxenstopp" für den Kärntner wegen nicht geflossener Sponsorgelder. Nun wollen SPÖ, ÖVP und Grüne wissen, bei wem Landeshauptmann Jörg Haider (B) zwei Millionen Dollar für Friesacher aufgetrieben hat. Haider kündigte unterdessen an, Friesachers Formel-1-Karriere weiter zu unterstützen.

Anonyme Financiers

Haider hatte erklärt, Geldgeber, die nicht genannt werden wollten, hätten das Geld für den Kärntner aufgebracht. SPÖ-Chef und Koalitionspartner LHStv. Peter Ambrozy richtete am Montag einen offenen Brief an Haider. Ambrozy begehrt darin Aufklärung über die Sponsorgelder, die Spekulationen seien dem Ruf des Sportlandes Kärnten mit Sicherheit alles andere als zuträglich. "Ich bitte dich deshalb, die Herkunft dieses Geldes umgehend offen zu legen, um allen öffentlichen Spekulationen darum ein rasches Ende zu bereiten und nachvollziehbar klar zu stellen, dass es sich hiebei nicht um Steuergeld handelt", heißt es in dem Schreiben.

Gegenleistung?

Ambrozy bezweifelt zudem, dass die anonymen Gönner keine Gegenleistung erwarten würden: "Nach meiner Erfahrung ist nämlich Sportsponsoring - in welcher Form auch immer - grundsätzlich mit Gegenleistung verknüpft, das anonyme Mäzenatentum ist überhaupt eher branchenunüblich - vor allem im Millionenbereich." Haider solle daher auch alle Gegenleistungen offen legen, die an die Zahlung geknüpft seien, fordert Ambrozy.

Haider antwortete ebenfalls via offenem Brief. Darin forderte er Ambrozy auf "dich als Referent für Sport des Landes Kärnten nicht an dieser Diskussion zu beteiligen, sondern selbst Sponsoren für Patrick aufzutreiben". Er selbst habe Kontakte zu Sponsoren hergestellt, bis hin zu Walter Wolf, der mit Bernie Ecclestone befreundet sei. Es liege aber an den Sponsoren selbst, sich öffentlich zu deklarieren.

Spekulationen, wonach der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi das Portemonnaie geöffnet hätte, wies er am Montag als "eher in die Faschingszeit" gehörend zurück. "Ich würde es mir wünschen, aber er hat nichts bezahlt." Haider meinte, niemand würde einen anderen Piloten fragen, wo seine Sponsoren herkämen. "Das ist nur in Kärnten der Fall." Öffentliches Geld sei nicht geflossen.

Man solle froh sein, dass er Friesacher den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht habe, sagte Haider. Dass das Management des Piloten "nicht funktioniert hat", sei traurig. Er werde sich aber bemühen, sicherzustellen, dass Friesacher in der nächsten Saison wieder ein Cockpit in der Königsklasse des Motorsports erhalte.

Auch ÖVP und Grüne wollen von Haider die Offenlegung der geheimnisvollen Geldgeber. ÖVP-Obmann Josef Martinz wies darauf hin, dass Friesacher selbst gesagt hätte, vom Land Kärnten unterstützt zu werden. Der Grüne Landessprecher Rolf Holub nannte Haiders Agieren in der Causa Friesacher "verantwortungslos", Haider gefährde die Karriere des jungen Sportlers, das Image des Landes leide enorm. Die Grünen fordern daher in einer schriftlichen Anfrage im Landtag die Offenlegung der Sponsoren. Holub: "Wenn der offizielle Schriftzug des Landes Kärnten auf dem Formel-1-Auto verwendet wird, kann sich Haider nicht darauf ausreden, als Privatmann verhandelt zu haben." (APA)

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    "Kärnten"-Schriftzug auf Friesachers Wagen

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