Pärchen brachte am PC produzierte "Blüten" in Umlauf

17. Juli 2005, 16:00
posten

An die 800 Falsifikate u.a. in Wien und München eingewechselt - Verdächtige legten Geständnis ab

Unter dem Verdacht, auf dem PC Falschgeld hergestellt und in großem Stil in Umlauf gebracht zu haben, ist ein aus Wien stammendes Pärchen festgenommen worden. Nach Angaben der NÖ Sicherheitsdirektion gaben der 47-Jährige und seine sechs Jahre jüngere Lebensgefährtin zu, insgesamt 700 bis 800 Falsifikate produziert und in mehreren Bundesländern sowie in der Münchner Innenstadt eingewechselt zu haben. Den Erlös haben die Suchtmittelabhängigen hauptsächlich in Cannabis und Kokain investiert.

5 bis 100

Der Gesamtschaden ließ sich bisher nicht genau beziffern. Die "Blüten" reichten von Fünf- bis zu 100-Euro-Scheinen, rund 80 Prozent davon waren 50-Euro-Noten. Der "Fehler" des Duos, durch den laut Landeskriminalamt (LKA) ein genauer Nachweis möglich wird: Ein eingescannter Schein wurde immer wieder reproduziert, so dass die "Geldscheine" ein- und dieselbe Seriennummer aufweisen.

Brieftasche gefunden

Am 5. April hatte eine deutsche Urlauberin während einer Rast im Bereich eines Autobahnparkplatzes der A1 (Westautobahn) nächst Steinhäusl eine Kellnerbrieftasche gefunden, in der sich 107 Scheinfalsifikate zu 5, 10, 20, 50 und 100 Euro befanden. Die Frau übergab die Börse der Polizei in Böheimkirchen, das LKA übernahm die Erhebungen.

Anhand vorgefundener schriftlicher Unterlagen und einer am 2. April erfolgten Einwechselung einer 20-Euro-"Blüte" in der Autobahnraststätte Völlerndorf bei St. Pölten konnte eine Verbindung zu Irene K. und Günther P. aus Wien hergestellt werden. Auf Befragung erklärte der Mann, das Falsifikat als Wechselgeld bei einem Einkauf in München erhalten zu haben.

Hausdurchsuchungen

Als sich jedoch weitere Verdachtsmomente ergaben, erließ das Landesgericht Wien drei Hausdurchsuchungsbefehle. Ende Juni wurden in der Wohnung der Frau in Wien-Brigittenau 15 Falsifikate zu je 50 Euro sichergestellt. Überdies wurde der PC samt Zubehör beschlagnahmt.

Die Einvernahmen ergaben, dass Günther P. zu Jahresbeginn auf die Idee verfiel, Falschgeld herzustellen, die nötigen Computerkenntnisse dafür brachte seine Lebensgefährtin mit. Mit dem Falschgeld bezahlten die Verdächtigen zunächst Drogen, später dehnten sie ihre "Einkäufe" auf Lebensmittel- und Parfumerieketten, Kioske und Trafiken in Wien und Niederösterreich aus.

Anfang April brachten sie, wie das LKA Bayern bestätigte, in München und dann auf der Rückfahrt nach Österreich zahlreiche "Blüten" in Umlauf. Auch auf dem Wiener Donauineselfest wechselten sie "fleißig" ihre Scheine ein. Darüber hinaus sollen P. und K. mit ihrem Computer Jahreskarten der Wiener Verkehrsbetriebe und Behindertenausweise zur Benützung von Behindertenparkplätzen im Straßenverkehr hergestellt haben. Die Verdächtigen wurden in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert.(APA)

Die Falsifikate trugen folgende Nummern: 5 Euro: Nr. X28056047115
10 Euro: Nr. X21506488571
20 Euro: Nr. S00278899801
50 Euro: Nr. X01925727356
100 Euro: Nr. S08803178143
Share if you care.