Steven Soderbergh "Out of Sight"

16. Juli 2005, 16:51
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Ein Krimi, ein verspielter Film, aber sehr friedfertig, gemessen an den Gewaltorgien im Kino der Neunzigerjahre

Einen Film über Zeit hat Steven Soderbergh aus Elmore Leonards Geschichte gemacht über einen Mann, dem die Zeit davongelaufen ist: Jack (George Clooney) ist ein Gentleman-Bankräuber, ein echter Profi, aber manchmal geht eben etwas schief. Es ist zu spät, um noch einmal von vorne anzufangen, und zu spät, um weiterzumachen - wenn er ein drittes Mal geschnappt wird, geht er für immer ins Gefängnis und die Zeit spielt keine Rolle mehr, nie wieder.

Ein Krimi, ein verspielter Film, aber sehr friedfertig, gemessen an den Gewaltorgien im Kino der Neunzigerjahre. Jack verliebt sich, als er aus dem Gefängnis flieht, und zwar ausgerechnet in die FBI-Agentin Karen (Jennifer Lopez), die ihn an der Flucht zu hindern versucht. Es beginnt ein Spiel. "Du hast gewonnen, Jack", sagt Karen, als er sie in einem Kofferraum einsperrt.

Der ganze Film ist ein Flirt, mit einem Augenzwinkern gemacht. Können sich die beiden wiedersehen, ohne dass sie ihn festnimmt? Sie können, es gibt eine Begegnung in Detroit, in einer Bar im obersten Stock eines Hotels, draußen toben die Schneeflocken durchs Dunkel - diese Sequenz ist strukturiert wie eine Erinnerung am nächsten Morgen, die Flashbacks der Liebesnacht vermischen sich mit der vorsichtigen Annäherung in der Bar, und am Anfang bittet er sie natürlich erst einmal darum, zu vergessen, dass sie ihn sucht - um ein Time Out.

Mit diesem Film hat Soderbergh begonnen, seine Erzähltechnik zu verändern - eine aufgebrochene Chronologie, Abläufe, die einem Gedankenstrom gleichen. Die Geschichte beginnt mit dem coolsten Banküberfall, den man sich vorstellen kann - Jack flirtet mit der Kassiererin -, aber er geht schief, und später wird uns die Geschichte zurückführen zu dem Ereignis davor: wie er einem ehemaligen Mithäftling auf den Leim gegangen ist, der ihm eingeredet hat, es sei ganz leicht, doch noch zu wechseln in ein normales Leben.

Out of Sight war Soderberghs einzige Zusammenarbeit mit Lopez - besser war sie nie - und seine erste mit Clooney, mit dem er seither die meisten seiner Filme gemacht hat - und den er wohl auch besser inszeniert als irgendwer sonst. Vielleicht kann man das mit dem Satz erklären, den er geschrieben hat in seinen im Buch Getting Away with It erschienenen Tagebuchnotizen, kurz nach Beginn der Verhandlungen über Out of Sight: "Like almost every woman in America, I tossed and turned all night and had George Clooney dreams . . ." (DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.07.2005)

Von Susan Vahabzadeh
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    foto: süddeutsche cinemathek
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