Infineon-Vorstand Zitzewitz tritt zurück

31. Juli 2005, 18:26
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Großrazzia in 14 Büros und Privathäusern: Vorwürfe der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung

Berlin - Der für das Speicherchip- Geschäft zuständige Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

Dies teilte Infineon am späten Samstagabend in einer Pflichtmitteilung mit. Magazinberichten zufolge war Zitzewitz wegen angeblicher Provisionszahlungen ins Visier der Münchener Staatsanwaltschaft geraten. Die Staatsanwaltschaft war am Samstag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen gewesen. Ein Infineon-Sprecher bestätigte eine Durchsuchung am Freitag in der Zentrale des Unternehmens im Zusammenhang mit Ermittlungen in Sachen BF Consulting. Von Zitzewitz galt bisher als Favorit für den Vorstandsvorsitz bei einem möglichen Börsengang der Speicherchip-Sparte von Infineon.

Bei einer Großrazzia durchsuchten etwa 100 Staatsanwälte, Polizeibeamte und Steuerfahnder am Freitag die Münchner Konzernzentrale sowie 14 Büros und Privathäuser in Deutschland und der Schweiz. Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld bestätigte am Samstag einen entsprechenden Vorausbericht der Nachrichtenmagazine "Focus" (München) und "Der Spiegel" (Hamburg).

Drei Verdächtige

Die Ermittlungen richten sich laut der Justiz gegen drei Verdächtige: Den bei Infineon für die Speicherchip-Sparte zuständigen Konzernvorstand Andreas von Zitzewitz, den früheren Infineon-Manager Harald Eggers, der zur Zeit das Schweizer Technologieunternehmen Unaxis leitet, sowie den Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting, Udo Schneider. Ihnen wird Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Haftbefehle gegen die drei Verdächtigen lägen derzeit nicht vor, sagte Schmidt-Sommerfeld. Ob sich die Verdachtsmomente bestätigten, könne erst nach Auswertung des bei den Razzien beschlagnahmten Materials gesagt werden.

Millionen für Verträge an Zulieferer?

Der konkrete Vorwurf lautet, dass von Zitzewitz gegen Zahlung sechsstelliger Bestechungsgelder Schneiders Firma Co-Sponsoring- Verträge mit Infineons Zulieferfirmen vermittelt haben soll. Laut "Focus" waren es 259.000 Euro. Auch der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Eggers soll während seiner Zeit beim Münchner Konzern einen Co-Sponsoring Vertrag eingefädelt gegen Zahlung von 50.000 Dollar (41.415 Euro) eingefädelt haben, heißt es.

Den Anstoß für die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gab eine Äußerung Schneiders vor dem Münchner Landgericht während der Verhandlung eines Rechtsstreits zwischen Schneiders Firma BF Consulting und Infineon wegen eines vorzeitig gekündigten Sponsoring-Vertrages. Dabei erwähnte Schneider am Rande Zahlungen von 300.000 Euro an von Zitzewitz über drei Jahre. Auf Grund dieser Bemerkung begann die Staatsanwaltschaft erste Ermittlungen, die nun die Durchsuchungen zur Folge hatten.

Auch Infineon bestätigte am Samstag die Razzien. Das Unternehmen habe ein Auskunftsersuchen der Staatsanwaltschaft erhalten, sagte ein Sprecher. Es gehe um Ermittlungen gegen einzelne Personen und nicht gegen Infineon, wurde betont.

Für Montag kündigte die Staatsanwaltschaft eine Erklärung an. Am Freitag eröffnete Infineon bei einem Festakt ein neues Automotive-Forschungszentrum in Villach. In der Stadt in Kärnten arbeiten derzeit rund 2.400 Menschen aus 33 Nationen für den Münchner Technologiekonzern. (Reuters/APA/dpa/AP)

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