Rechtschreibreform: Zwei deutsche Bundesländer blockieren

21. Juli 2005, 09:51
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Bayern und und Nordrhein-Westfalen setzen die Reform nicht wie andere Länder, Österreich, Schweiz, Südtirol und Liechtenstein verbindlich zum 1. August um

Berlin - Bayern und Nordrhein-Westfalen, die beiden bevölkerungsstärksten der 16 deutschen Bundesländer, wollen die bereits 1998 eingeführte Rechtschreibreform am 1. August in Schulen und Behörden noch nicht endgültig in Kraft setzen. In den beiden Bundesländern soll vielmehr wie bisher weiterhin die Übergangsregelung herrschen, wonach frühere Schreibweisen nur als veraltet gekennzeichnet, aber den Schülern nicht als Fehler angestrichen werden. Alle anderen deutschen Bundesländern sowie Österreich, die Schweiz, Südtirol und Liechtenstein bleiben dagegen beim Zeitplan.

Niedersachsen entscheidet sich noch am Dienstag

Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten am Wochenende bekannt gegeben, sie wollten die für den 1. August geplante verbindliche Einführung der Rechtschreibreform verschieben. Auch der niedersächsische Regierungschef Christian Wulff hatte sich zuletzt für eine Verschiebung ausgesprochen und eine Entscheidung seines Landeskabinetts am Dienstag angekündigt. Die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) hatte dagegen erst Anfang Juni die Einführung der nicht strittigen Teile der Reform zum neuen Schuljahr beschlossen.

Sieben Jahre lange Übergangsfrist läuft mit 1. August aus

Österreich bleibt, wie die Schweiz, Südtirol und Liechtenstein, beim zuletzt vereinbarten Zeitplan für das vollständige In-Kraft-Treten der Rechtschreibreform, wie Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) am Dienstag bekräftigte. Am 1. August läuft die sieben Jahre lange Übergangsfrist ab. Ab Anfang August sind daher an den Schulen Schreibweisen, die nicht der Neuregelung entsprechen, als Fehler zu werten. In Zweifelsfällen gilt das Österreichische Wörterbuch in seiner aktuellen Auflage.

Ausgenommene Bereiche

Ausgenommen sind wie bereits angekündigt jene Bereiche, für die der Rat für deutsche Rechtschreibung noch Änderungen angekündigt hat, also Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Interpunktion. Hier soll "Toleranz geübt werden" und sowohl alte als auch neue Schreibweise zulässig sein. Der Großteil der Lehrer und Lehrerinnen habe laut einer Umfrage festgestellt, dass die neue Rechtschreibung den Unterricht einfacher gemacht habe, so das Bildungsministerium.

Bayrische Kultusminister wünscht sich einheitliche Verschiebung

Der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair, sprach sich hingegen für eine einheitliche Verschiebung der Reform aus aus. Der CSU-Politiker sagte im Deutschlandradio Kultur, er halte es im Prinzip für richtig, wenn alle Länder gemeinsam gehen würden. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, dass der Rat die nötigen Korrekturen bis zum Jahresende erarbeiten könne. Nach Angaben der Geschäftsführerin des Rates, Kerstin Güthert, will sich das Gremium bei seiner Entscheidung aber nicht unter Termindruck setzen lassen. Man werde sich bei zwei Sitzungen am 28. Oktober und am 25. November festlegen. (APA/dpa)

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