Bayern und und Nordrhein-Westfalen setzen die Reform nicht wie andere Länder, Österreich, Schweiz, Südtirol und Liechtenstein verbindlich zum 1. August um
Berlin - Bayern und Nordrhein-Westfalen, die beiden
bevölkerungsstärksten der 16 deutschen Bundesländer, wollen die
bereits 1998 eingeführte Rechtschreibreform am 1. August in Schulen
und Behörden noch nicht endgültig in Kraft setzen. In den beiden
Bundesländern soll vielmehr wie bisher weiterhin die
Übergangsregelung herrschen, wonach frühere Schreibweisen nur als
veraltet gekennzeichnet, aber den Schülern nicht als Fehler
angestrichen werden. Alle anderen deutschen Bundesländern sowie
Österreich, die Schweiz, Südtirol und Liechtenstein bleiben dagegen
beim Zeitplan.
Niedersachsen entscheidet sich noch am Dienstag
Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten am Wochenende bekannt
gegeben, sie wollten die für den 1. August geplante verbindliche
Einführung der Rechtschreibreform verschieben. Auch der
niedersächsische Regierungschef Christian Wulff hatte sich zuletzt
für eine Verschiebung ausgesprochen und eine Entscheidung seines
Landeskabinetts am Dienstag angekündigt. Die deutsche
Kultusministerkonferenz (KMK) hatte dagegen erst Anfang Juni die
Einführung der nicht strittigen Teile der Reform zum neuen Schuljahr
beschlossen.
Sieben Jahre lange Übergangsfrist läuft mit 1. August aus
Österreich bleibt, wie die Schweiz, Südtirol und Liechtenstein,
beim zuletzt vereinbarten Zeitplan für das vollständige
In-Kraft-Treten der Rechtschreibreform, wie Bildungsministerin
Elisabeth Gehrer (V) am Dienstag bekräftigte. Am 1. August läuft die
sieben Jahre lange Übergangsfrist ab. Ab Anfang August sind daher an
den Schulen Schreibweisen, die nicht der Neuregelung entsprechen, als
Fehler zu werten. In Zweifelsfällen gilt das Österreichische
Wörterbuch in seiner aktuellen Auflage.
Ausgenommene Bereiche
Ausgenommen sind wie bereits angekündigt jene Bereiche, für die
der Rat für deutsche Rechtschreibung noch Änderungen angekündigt hat,
also Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und
Interpunktion. Hier soll "Toleranz geübt werden" und sowohl alte als
auch neue Schreibweise zulässig sein. Der Großteil der Lehrer und
Lehrerinnen habe laut einer Umfrage festgestellt, dass die neue
Rechtschreibung den Unterricht einfacher gemacht habe, so das
Bildungsministerium.
Bayrische Kultusminister wünscht sich einheitliche Verschiebung
Der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, der frühere
bayerische Kultusminister Hans Zehetmair, sprach sich hingegen für
eine einheitliche Verschiebung der Reform aus aus. Der CSU-Politiker
sagte im Deutschlandradio Kultur, er halte es im Prinzip für richtig,
wenn alle Länder gemeinsam gehen würden. Zugleich äußerte er sich
zuversichtlich, dass der Rat die nötigen Korrekturen bis zum
Jahresende erarbeiten könne. Nach Angaben der Geschäftsführerin des
Rates, Kerstin Güthert, will sich das Gremium bei seiner Entscheidung
aber nicht unter Termindruck setzen lassen. Man werde sich bei zwei
Sitzungen am 28. Oktober und am 25. November festlegen. (APA/dpa)