Obergermanisch-Raetischer Limes ist Weltkulturerbe

22. Juli 2005, 19:40
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Die ausgezeichneten Teile des einstigen römischen Grenzwalls ziehen sich durch vier deutsche Bundesländer

Stuttgart/Durban - Der deutsche Teil des römischen Grenzwalls Limes ist zum Weltkulturerbe erklärt worden. Dies entschied die UNO-Kulturorganisation UNESCO im südafrikanischen Durban. Der rund 1.900 Jahre alte und 550 Kilometer lange Obergermanisch-Raetische Limes zieht sich durch die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech sagte am Freitag in Stuttgart, mit der Aufnahme des Limes finde ein gemeinsames Projekt der Bundesländer nach über vier Jahren seinen erfolgreichen Abschluss Rech erklärte, viel Beachtung habe dabei die internationale Perspektive des Limes-Projekts gefunden. Es sei ein grundsätzlich neuer Ansatz des Welterbe-Programms, dass an einem Weltkulturerbe-Denkmal mehrere Staaten beteiligt seien.

"Transnationales Weltkulturerbe"

Der englische Hadrians Wall, der bereits seit 1987 auf der Welterbeliste sei, und der Obergermanisch-Raetische Limes sollten zusammen die ersten beiden Teilabschnitte eines "transnationalen Weltkulturerbes" bilden, das in Zukunft einmal zwei Dutzend Staaten entlang der Außengrenzen des ehemaligen Römischen Reiches umfassen solle.

Rech sagte, die Aufnahme in das Weltkulturerbe sei besonders für den Tourismus und für die weiteren wissenschaftlichen Forschungen an der ehemaligen Römischen Grenze von Bedeutung. Die 2003 gegründete Deutsche Limeskommission koordiniere künftig alle Aktivitäten, die Schutz, Erforschung und touristische Präsentation des Bodendenkmals beträfen. Historischer Hintergrund

Der Limes war Grenzwall, Verteidigungslinie und Wirtschaftsgrenze der Römer. Er verlief 542 Kilometer lang durch Süddeutschland vom Rhein zur Donau. Über Berge und Ebenen zog er sich von Rheinbrohl bei Koblenz bis nach Eining bei Regensburg.

Zwischen Rheinland-Pfalz und Ostwürttemberg bestand der Limes aus einem Wall, einem Graben und einer Palisadenwand, von dort bis Bayern aus einer Steinmauer. Entlang des Limes reihten sich rund 100 Kastelle sowie etwa 900 Wachtürme, stets im Abstand von einigen hundert Metern und in Blickkontakt zueinander.

Die Erstürmung des "Teufelswalls"

Eigens angelegte Militärstraßen schufen die Verbindungen zwischen den auch von Zivilisten bewohnten Militärplätzen und dem Hinterland. Die Idee einer zusammenhängenden Grenzbefestigung und Kulturschneise stammte von Kaiser Domitian (81-96 n.Chr.).

Die Vertreibung der Römer begann zwischen 213 und 260, als germanische Truppen den "Teufelswall" stürmten und das angrenzende Gebiet überfielen. Als die Vandalen 409 den Rhein überschritten, war die römische Herrschaft endgültig beendet. Der Limes verfiel. Im 19. Jahrhundert begannen Archäologen mit Ausgrabungen. Mittlerweile gibt es wieder zahlreiche Rekonstruktionen von Wachtürmen und anderen Limes-Teilen. (APA/AP)

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