Traben: Nostalgischer Charme trotzt Glitzerwelt

17. Juli 2005, 21:53
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Die Rennbahn in Baden lockt mehr Wetter als das Racino in Ebreichsdorf

Baden - "Gibt's denn die Rennbahn in Baden überhaupt noch?", war nach dem Big Bang der Eröffnung des Stronach-Racino in Ebreichsdorf im Vorjahr eine häufige Frage. Antwort: Ja, es gibt sie. Und sie gibt ein kräftiges Lebenszeichen. Tatsächlich war und ist es für den Badener Trabrenn-Verein nicht leicht, sich gegen die geldstrotzende übermächtige Konkurrenz, die sich noch dazu in enger funktionärsmäßiger "Umarmung" die besten Termine gesichert hatte, über Wasser zu halten.

Doch es gelingt. Gerade heuer sehen die ersten Zahlen trotz vieler ungünstiger Donnerstag-Termine schon wesentlich besser aus. Das Publikum scheint den nostalgischen Charme der 110-jährigen Bahn mit ihren Holztribünen, den unmittelbaren Kontakt zum Geschehen auf der Piste, die Möglichkeit, das Treiben im Stallgelände zu beobachten, mehr zu schätzen als die Glitzerwelt im Racino, wo weit entfernt die Traber ihre Runden ziehen. Was der Wetteifer beweist, der die Racino-Zahlen weit in den Schatten stellen dürfte.

Selbst Sponsoren, die im Vorjahr in Ebreichsdorf präsent waren, kehren auf die gemütliche Badener Bahn zurück. Ähnliches gilt offenbar für Rennpferde-Besitzer. Zum Saison-Höhepunkt, der Badener Meile am Sonntag, kommen trotz international keineswegs aufregender Dotierung (19.000 €) einige Klassetraber aus Deutschland und Skandinavien. Star im Aufgebot des ersten Vorlaufs ist Pablo As (Fahrer Thomas Panschow). Der sechsjährige Hengst hat für seine Besitzerin, die Berliner Autohändlerin Marion Jauß, bereits knapp 600.000 € gewonnen. Sein Gegner im Vorlauf dürfte der um viel Geld - man spricht von 250.000 € - aus Schweden importierte Ryan's Patrik sein, der mit Champion-Trainer Gerhard Mayr zuletzt zwei Rennen in gutem Stil gewann.

Den zweiten Vorlauf sollte der Vorjahressieger Blue Glass (Hannu Voutilainen) beherrschen. Das Finale (ca. 19:15 Uhr, es starten die ersten fünf der beiden Vorläufe) verspricht jedenfalls Hochspannung. Mit der bisherigen Erfolgsbilanz will die rührige Badener "Amateur-Gruppe" im kommenden Jahr nach Auslaufen der Vereinbarung mit den Racino-Profis ihre Termine wieder ausdehnen.

Mehr Renntage

Sprecher Gerhard Reichebner: "Wir werden sicher 15 Renntage, also drei mehr als heuer, veranstalten, darunter je zwei Sonntage und zwei Feiertage." Vorstandsmitglied Adi Übleis, der schon vor Jahren, als Frank Stronach noch Präsident des Badener Vereins war, des Kaisers neue Kleider enttarnte, betont: "Der Verein muss seine Selbstständigkeit zurückgewinnen." (dol - DER STANDARD - PRINTAUSGABE 16./17.7. 2005)

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