Lesbische Synergien im "Sex and the City"-Stil

26. Juli 2005, 15:19
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In den USA läuft eine TV-Serie, in der sich alles ums Lesbischsein dreht - Deutsche Sender drücken sich, der ORF überlegt

Ausgerechnet im prüden Amerika läuft eine TV-Serie, in der sich alles um ein Thema dreht: ums Lesbischsein. Deutsche Sender drücken sich, der ORF überlegt.

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Es gebe, so behaupten die Damen aus "The L-Word", ein untrügliches Merkmal, welches auf die sexuelle Orientierung von Frauen hinweise: Lesbisch sei, wessen Ringfinger den Zeigefinger überrage. Bei zumindest sieben der neun Hauptdarstellerinnen der US-Serie dürfte dies klar zutreffen.

Thema Lesbischsein

Ausgerechnet im als prüde und verklemmt verschrienen Amerika läuft seit 2004 eine Fernsehserie, in der sich alles nur um ein Thema dreht: ums Lesbischsein. Wobei das Alltagsleben der gefälligen Clique reichlich exquisit angesiedelt ist - Vergleiche mit "Sex and the City" sind durchaus erwünscht: Die Protagonistinnen leben zwar nicht in New York sondern in Los Angeles, besuchen aber ebenso gern wie Carrie Bradshaw und ihre fidelen Freundinnen Partys. Sie fahren teure Schlitten, tragen schicke Designermode und sprechen eine mitunter deftige Sprache. Einziger Unterschied: Sie haben Sex mit Frauen.

Die Kamera schaut bei diesem lustvollen Treiben kaum weg und versucht, ein möglichst großes gesellschaftliches Spektrum abzudecken: Das Paar mit dem Kinderwunsch; die zarte Schöne, die in heterosexueller Beziehung lebend vom erotischen Vamp nach allen Regeln der Kunst verführt wird; der androgyne Sexmaniac mit dem Beziehungsproblem, die gekränkte Verlassene oder die lesbische Tennisspielerin, die aus Angst vor Sponsoren mit dem Outing zögert. Zudem ist "The L-Word" prominent besetzt: Das einstige Teenie-Idol Jennifer Beals (Flashdance) erlebt als geschäftige Ausstellungskuratorin ein achtbares Comeback, Pam Grier (Jackie Brown) glänzt als heterosexuelle Ex-Alkoholikerin. Rosanna Arquette, Kelly Lynch, Sandra Bernhard und Rapper Snoop Doggy Dogg treten in Gastrollen auf.

Von Frauen gemacht

"The L-Word" wird im Wesentlichen von Frauen gemacht: Regie führt Rose Troche, das Drehbuch stammt von Ilene Chaiken. Beide spielen gekonnt mit Klischees, gewiss auch mit den begehrlichen Blicken männlicher Zuschauer und werben so für Toleranz gegenüber Homosexuellen.

Möglich, dass die Wirtschaft hilft: Die entdeckt nämlich in den Homosexuellen plötzlich nicht nur die begehrte jugendliche, sondern obendrein auch noch eine kaufkräftige Zielgruppe. Seit knapp drei Wochen gibt es Amerikas ersten Kabelsender für Schwule und Lesben mit Vollprogramm und Eigenproduktionen, etwa einer Dokusoap: "In First Comes Love" planen homosexuelle Paare ihre Hochzeit.

Entscheidung steht noch aus

Zurück zu "L-Word": Während die Serie nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien gute Quoten verbucht, wagen deutschsprachige Sender den Sprung ans andere Ufer noch nicht so recht. Deren Begründungen muten ein wenig wie jene an, die das Lesbenpaar Bette und Tina zu hören bekommen, als sie nach einem geeigneten Samenspender suchen: Dort wie da windet man sich um die Antwort, um schließlich doch abzulehnen: Sat.1 und RTL spielt an US-Ware lediglich "Klassiker", Vox müsste dafür seine "gesamte Programmstruktur" ändern, der "Sex and the City"-Sender Pro Sieben will sich vorläufig nicht äußern. In Österreich überlegen ATV+ und ORF, am Küniglberg fürchtet man die "zu schmale Zielgruppe". Eine letzte Entscheidung steht noch aus. (Doris Priesching/(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.7. 2005)

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    Die Frauen der US-Serie "The L-Word": Leben in Los Angeles, besuchen Partys, fahren teure Schlitten, tragen schicke Designermode, lieben Frauen: In der Mitte rechts Jennifer Beals, rechts dahinter Pam Grier.
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