"Wer sich nicht fürchtet, lebt gefährlich"

17. Juli 2005, 21:52
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Die besten Klippenspringer der Welt stürzen sich von der Falkensteinwand am Wolfgangsee

St. Wolfgang - Sie beschleunigen innerhalb von 2,5 Sekunden von null auf 90 km/h, um nach dem Eintauchen innerhalb von vier Metern wieder auf null abzubremsen. Am Sonntag (17 Uhr) treffen sich die weltbesten Klippenspringer (Cliff Diver) auf der Falkensteinwand am Wolfgangsee, der Einladungscontest wurde nach eingehendem Studium der Wetterprognosen eigens um einen Tag verschoben. Die Einladung ausgesprochen hat Red Bull, nicht wenige der Athleten haben sich quasi schon in der Gegend befunden, schließlich stieg vor zwei Wochen am Millstätter See das Finale der Weltmeisterschaft, dort gab's zwar Medaillen, dafür musste mangels Klippen aber von einem Turm gesprungen werden.

Star aus Kolumbien

Weltmeister wurde so oder so und zum bereits achten Mal der Kolumbianer Orlando Duque, er ist Star der Szene und auch des Events am Wolfgangsee, wo die Veranstalter in einer Höhe von 27,5 Metern die Absprungbasis im Fels fixierten. Die Höhe des Absprungs und die Gewalt des Aufpralls machen ein perfektes Körpergefühl absolut notwendig. "Ich weiß genau, ob und wann ich springen kann. Wenn ich mich gut fühle, ist es egal, ob es 20 oder 25 oder auch 27,5 Meter sind", spricht Duque von kalkuliertem Risiko. Dennoch sitzt ihm bei jedem Sprung die Angst im Nacken: "Sobald du aufhörst, dich zu fürchten, lebst du gefährlich."

Duque trifft am Sonntag auf 14 weitere Topspringer. "Die Falkensteinwand ist prädestiniert für unseren Sport", sagt er. Bei einer Absprunghöhe von 27,5 Metern sind die Kräfte, die dabei auf die Athleten wirken, etwa neunmal so hoch wie bei einem Sprung vom 10-m-Turm. Aus diesem Grund muten sich auch die Besten der Besten maximal drei Sprünge am Tag zu.

Orpheus auf Abwegen

Im Anschluss an den Contest findet im Strandbad Fürberg ein, wie man so sagt, chilliges BBQ statt, mit dem Film "9Dives" folgt in den Abendstunden ein weiteres Highlight. Filmemacher Mario Kreuzer projiziert "eine Reise durch Körper und Geist" auf eine 16 mal 9 Meter große Leinwand. Mit Orlando Duque in der Hauptrolle hat der Kärntner in zwei Jahren Dreharbeiten und Postproductions ein knapp 100 Minuten langes Werk im Grenzbereich zwischen Spielfilm und Dokumentation geschaffen. Darin wird, wie's in einer Aussendung heißt, "einer der wahrscheinlich faszinierendsten Cliff Diver der Gegenwart porträtiert und die mitreißende Geschichte eines modernen Orpheus auf dem Weg in seinen persönlichen Hades und wieder zurück erzählt".

Wer am Sonntag, aus welchem Grund auch immer, nicht am Wolfgangsee sein kann, den mag die Tatsache beruhigen, dass "9Dives" im August im Wiener IMAX zu sehen sein wird. (red, fri - DER STANDARD PRINTAUSGABE 16./17.7. 2005)

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