Sommerloch wird immer größer

29. Juli 2005, 11:13
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Dickes Minus bei Nächtigungen im Juni - Auch August und September rückläufig - WKÖ erwartet dennoch Zuwächse

Klagenfurt/Innsbruck/Wien - Der österreichische Sommertourismus kämpft mit Einbußen. Das schlechte Wetter und die Verschiebung von Feiertagen haben den heimischen Tourismusbetrieben im Juni teils zweistellige Nächtigungsrückgänge gebracht, etwa in Kärnten und Tirol. Auch die Prognose für die kommenden Monate sieht laut einer Umfrage nicht rosig aus. Die Tourismussparte der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) erwartet laut Spartenobmann Johann Schenner dennoch weiterhin Zuwächse für die gesamte, bis Oktober dauernde Sommersaison.

Sorgenfalten in Kärnten

Die Kärntner Tourismusverantwortlichen blicken mit Sorgenfalten in die Tabellen und Statistiken. Es liegen zwar noch keine offiziellen Nächtigungszahlen für Juni vor, man rechnet aber mit einem zweistelligen Minus. Der Geschäftsführer der Kärnten Werbung, Werner Bilgram, meinte auf Anfrage der APA: "Ich denke, der Rückgang wird im niedrigen zweistelligen Bereich liegen."

Bilgram weist auf das extrem schlechte Wetter Anfang des Monats hin, zudem sei dieses Jahr Pfingsten sehr früh gewesen. Im vergangenen Jahr sei ein Teil der deutschen Pfingstferien in die Juni-Bilanz eingeflossen, allein dadurch ergebe sich ein Rückfall in diesem Jahr. Allerdings, so konzedierte Bilgram, sei auch bei einer Zusammenrechnung der Mai- und Juni-Zahlen, die auf Grund der "wandernden Feiertage" gemeinsam betrachtet werden müssten, ein Minus bei den Nächtigungen zu erwarten. Wie groß dieses sein wird, könne man aber noch nicht sagen.

Experten erwarten negative Gesamtbilanz

Nachdem auch der Juli bis dato eher schlecht gelaufen ist - das ohnehin magere Ergebnis von 2004 dürfte auch hier verfehlt werden - rechnen Experten mit einer negativen Gesamtbilanz. Bedingt durch die deutsche Ferienordnung mit der Massierung im August und der nach wie vor enormen Abhängigkeit der Kärntner Hotellerie und Beherbergungsbetriebe von den deutschen Gästen, werden die Verluste kaum noch aufzuholen sein, auch wenn der August allerorts volle Häuser bringt. Bilgram hofft zwar immer noch auf eine starke Nachsaison, mit der einiges aufzuholen wäre, erfahrungsgemäß könne aber ein noch so guter September einen schlechten Juli nicht wirklich auffangen.

Einbrüche auch in Tirol

Einbrüche von "bis zu einem Viertel" bei den Nächtigungen in einzelnen Tiroler Tourismushochburgen verzeichnete auch die Tiroler Tourismus Vereinigung (TTV) in einer Vorerhebung zum Monat Juni, das durchschnittliche Minus lag bei 13 bis 15 Prozent. Die Buchungslage für Juli und August sei tendenziell ebenfalls rückläufig, sagte Präsident Ander Haas am Freitag der APA. Die Umfrage wurde unter den zehn bis zwölf "wichtigsten Sommergebieten" durchgeführt, die einen erheblichen Anteil der Nächtigungen abdecken.

Haas forderte das Ergreifen kurzfristiger Werbemaßnahmen in den Hauptherkunftsländern wie Deutschland oder der Schweiz. Viele Gäste würden kurzfristiger, teilweise gar nicht mehr buchen. Auch Sonderangebote sollten vermehrt publik gemacht werden. Damit ließe sich kurzfristig für den diesjährigen Sommer vielleicht doch noch einiges erreichen, sagte Haas.

"Situation nicht leicht"

Alois Thurner von der Tirol Werbung bestätigte heute auf APA-Anfrage einen Rückgang der Nächtigungszahlen im Juni. Genaue Zahlen liegen allerdings noch nicht vor. Eine wichtige Rolle für das Minus habe die diesjährige Lage der Feiertage gespielt. Die Situation für den gesamten Sommer bezeichnete Thurner auf Grund der aktuellen Wirtschaftslage in Hauptherkunftsländern wie Deutschland als "nicht leicht". Man werde damit "zufrieden" sein müssen, wenn die Nächtigungszahlen stabil gehalten werden können.

In Tirol war bereits die vorjährige Sommersaison rückläufig. Bei den Nächtigungen wurde 2004 mit 17.349.766 Übernachtungen ein Minus von 2,5 Prozent verzeichnet. Mit den 3.702.286 Ankünften im Jahr 2004 hatte man einen Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber 2003 verbuchen müssen.

Die WKÖ-Tourismussparte wies heute auf APA-Anfrage darauf hin, dass die Sommersaison noch bis Oktober dauere und es daher für eine Bilanz zu früh sei. Trotz des rückläufigen Juni halte man an der bisherigen Sommerprognose - von einem Plus von 4 bis 4,5 Prozent beim Umsatz und einem kleinen Nächtigungszuwachs - fest, so Schenner. (APA)

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