Führungsmodell von einer ganz anderen "Saite"

6. Dezember 2005, 12:03
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Mithilfe des "5-Sekunden-Modells" sollen Teams zu Hochleistungen im Einklang geführt werden

Wie reagieren Orchestermusiker, wenn sie mit zu wenig Instrumenten oder unvollständigem Notenmaterial auftreten müssen? Einzeln und im Alleingang chaotisch; als Team mit der Idee eines großen Ganzen - im besten Fall - mit Hochleistung. So weit die Grundüberlegung eines Führungskräfte- und Management-Trainings, dem "5-Sekunden-Modell".

Die Idee dafür kam beim Zeitunglesen, so Albert Schmitt, Geschäftsführer der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Schüler der Harvard Business School wurden aufgefordert, Orchesterproben zu beobachten, um anhand des Erfahrenen ihre eigene Teamfähigkeit zu reflektieren. "Daraus lässt sich ein Geschäftsmodell machen, dachte ich." Dieses Konzept als "Showprogramm" allein zu vermarkten erschien Schmitt aber zu wenig nachhaltig.

Interaktiv und von hohem Nutzwert für alle Teilnehmer - Musiker wie Manager - sollte es sein. Findig also die Geschäftsidee, sich die Probenarbeit finanzieren zu lassen: "Als Musiker verliert man beim Proben Geld - und wenn man nicht probt, verliert man Qualität", so Schmitt. Denn: Jedes Orchestermitglied sei gleichzeitig Gesellschafter der Kammerphilharmonie und somit neben dem künstlerischen auch für den finanziellen Erfolg mitverantwortlich.

Der wissenschaftliche Unterbau des Führungsmodells wurde gemeinsam mit Christian Scholz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken erarbeitet. Dafür wurden entscheidende Erfolgsfaktoren für die eigene Hochleistung herausgefiltert und mit Forschungsergebnissen zu anderen Hochleistungsteams abgeglichen. Ein Trainingsmodell entstand, das im "Buddy-System" - je ein Musiker mit je einem Manager - praktiziert werde. "Ein Hochleistungsteam", so Scholz, "muss immer in hochgradig widersprüchlichen Situationen und Spannungsfeldern Leistung erbringen." Beim "5-Sekunden-Modell" seien dies "Energie/Konzentration", "Notwendigkeit/ Sinn", "Erfolg/Spaß", "Hierarchie/Demokratie" und "Perfektion/Abenteuer", die in eine leistungssteigernde Balance führen sollen.

"Neues riskieren"

Schön ist die Geschichte der Namensfindung: "Sekund(e)" bezeichne einen Schritt in der Tonleiter. Zugleich gespielt, seien die Töne dissonant. Hintereinander intoniert, geben sie den Eindruck des Fortschreitens, so Schmitt. "Ideal als Synonym für Entwicklung", sagt er. Und da es den "Minuten-Manager" schon gab und man ehrgeizig genug war, "schneller zu sein", kam durch Zufall Schmitts Tochter ins Spiel. Schmitt: "Beim Freihändig-Radfahren-Üben hat sie immer für fünf Sekunden den Lenker losgelassen. Ein idealer Lernzeitraum, um etwas Neues zu riskieren." (haa, Der Standard, Printausgabe 16./17.7.2005)

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