Der regulierte Strom

3. Oktober 2005, 15:23
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Beim Radeln auf dem Donauradweg gibt es keine "Schlaglöcher" in der Inszenierung mehr.

Man kann es sich wirklich sehr einfach machen: Ein Fahrrad - und das muss nun wirklich kein 27-Gang High-tech-Karbon-Teil mit Scheibenbremsen sein - und eine Woche genügen, um die Donau stromabwärts mit all ihren Biegungen und Windungen erlebt zu haben. Im Versuch reichten uns auch sechs Tage für die rund 365 Kilometer von Passau bis Bratislava, quasi zum Beweis der eigenen Sportlichkeit.

Vom meistbefahrenen Radweg Europas war zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede, heute wird dieser Abschnitt jährlich von mindestens 120.000 Radlern befahren. Das Radeln entlang der Donau hat sich verändert, vielleicht ein wenig zulasten des Expeditionsgeistes, aber bestimmt zum Vorteil der Usability.

Aktuell kann man sich über die Internetplattform der Werbegemeinschaft Donau OÖ (Donauradweg) informieren, eine zweifelsfrei brauchbare Quelle an Informationen für alle, die planen, vielleicht auch nur abschnittsweise den Donauraum per Rad erkunden zu wollen. Unter www.donau.com, dem niederösterreichischen Pendant, findet man die Informationen über den östlichen Abschnitt. Was man in Form des sehr nützlichen Folders in Kooperation der beiden Bundesländer über den Weg dokumentiert hat, nämlich die kompakte Beschreibung des gesamten Weges, ist im Internet leider nicht in zusammenschauender Form gelungen.

Egal, ob man es nun streckenweise oder thematisch angeht, man muss sich über die Motivation einer solchen Radreise nicht mehr selbst den Kopf zerbrechen. Einerseits liegt da der Vorschlag in Form einer Broschüre auf den Countern der Reisebüros, die Donau doch als Straße der Kaiser und Könige zu sehen und von Regensburg bis nach Wien nach den zahlreichen Monarchie-Spuren zu fahnden. Vor allem der Abschnitt vom bayerischen Ingolstadt bis nach Passau entzieht sich meist unserem Fokus. Zu Unrecht, denn der 268 km lange Weg bietet zahlreiche Themenvorschläge von der "Römertour" bis zum "barocken Radeln".

Andererseits findet man vor allem auf dem oberösterreichischen Teil die Möglichkeit, auch kürzere Routen, etwa ein Wochenende lang, einzuschlagen. 38 Vorschläge führen ein wenig weg von der Donau und sind als Rundkurse angelegt. Kombinierbar sind diese Ausflüge noch mit 40 Wanderungen zwischen Passau und Grein.

Pauschal vs. freihändig

Eine andere Frage jedoch wird man nach wie vor selbst klären müssen: Will man die Donau auf eigene Faust erkunden oder verlässt man sich auf die Organisiertheit einer Pauschalreise? Die Angebote dazu sind längst über alle Ufer getreten, selbst im Internet-Last-Minute-Geschäft wird die Route von Passau bis nach Wien mittlerweile angeboten.

Auf der Plattform www. lastminute.com etwa findet sich ein Angebot zwischen 279 € und 389 €, das sieben Übernachtungen mit Frühstück im Drei- oder Viersternehotel, eine Schiffsfahrt und die Bahnrückfahrt inkludiert. Nicht zuletzt über den Gepäckservice während der gesamten Fahrt wird man dankbar sein. Im Vergleich dazu bietet man den Individualradlern mittlerweile 27 zertifizierte Mitgliedsbetriebe an, die auf die Rad fahrende Klientel speziell eingestellt sind und Kinder bis sechs Jahre kostenlos beherbergen. Preislich liegen die Unterkünfte zwischen rund 20 und 40 € pro Person im Doppelzimmer, also wirklich günstiger wird's nur selten, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist. Alternativ dazu gibt es natürlich nach wie vor Campingplätze, allein in Oberösterreich sind es 19 unmittelbar an der Donau.

Nachgefragt werden auch immer mehr Kombinationen aus Radfahren und Schiffspassagen: So kann man etwa einen großen Teil des Weges von Passau bis nach Budapest in neun Tagen erfahren, die Linzer Donau Touristik bietet eine Tour ab 561 € mit acht Übernachtungen und Frühstück, Gepäckservice und Bahnrückfahrt, Teilabschnitte auf der Donau werden immer wieder mit dem Schiff zurückgelegt. Die Fahrt von Wien ostwärts in Richtung Budapest wird übrigens auch für individuelle Radler von Jahr zu Jahr attraktiver, der Donauradweg durch die Slowakei ist sowohl von der Streckenführung als auch von der Belagqualität äußerst interessant, in Ungarn allerdings gibt es immer wieder Abschnitte, die über stärker befahrene Straßen führen und für Familien mit Kindern nicht ganz stressfrei sind.

Nachgepumpt

Zunehmend wurde in den letzten Jahren in die Infrastruktur des Weges investiert. Alle 50 Kilometer findet man heute Infopoints, die Auskunft über Nächtigungsmöglichkeiten und Fährverbindungen geben bzw. zusätzlich zwei Infosäulen, die im Sommer online sind. Auf dem niederösterreichischen Abschnitt wurde in Aggsbach Markt vor Kurzem der erste von 29 Rastplätzen eröffnet, das Gesamtvolumen der Investition beläuft sich auf 335.000 €, die restlichen Plätze will man bis Ende August fertig gestellt haben.

Die weit gehend ohne größere Steigungen verlaufende Strecke bot sich an, sie für Rollstuhlfahrer attraktiv zu machen. Unter der Ägide eines oberösterreichischen Rollstuhlsportklubs erstellte man einen Vorschlag für eine Siebentageroute, die für einen gemeinsamen Urlaub von Radfahrern und Handbike-Fahrern geeignet ist. Damit es vor allem für die Individualradler nicht nur beim Abspulen der fast 400 Kilometer bleibt, wird auch zunehmend über die Events entlang der gesamten Strecke informiert. Nachzulesen sind die Veranstaltungen, die diesen Sommer zwischen Passau und Bratislava stattfinden, im Folder "Was ist los an der Donau"; demnächst wären das die Donau Festwochen im Strudengau vom 29. Juli. bis zum 15. August. (Der Standard, Printausgabe 16./17.7.2005)

Von Sascha Aumüller
  • Artikelbild
    foto: werbegemeinschaft donau oö
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