Raketenoffensive der Hamas

18. Juli 2005, 07:24
12 Postings

Rund 50 Granaten und Raketen feuerte die Hamas auf Israel ab - Sieben Hamas-Mitglieder bei Luftangriffen getötet

Rund 50 Granaten und Raketen feuerten Mitglieder der radikalen Palästinensergruppe Hamas auf Israel und jüdische Siedlungen im Gazastreifen ab. Das politische Ziel: Palästinenserpräsident Abbas desavouieren.

*****

Palästinensische Granatensalven auf israelische Siedlungen und Dörfer, "gezielte Tötungen" von Hamas-Mitgliedern und blutige innerpalästinensische Gefechte - so sehen die Vorboten des Abzugs aus dem Gazastreifen aus, den Israels Premier Ariel Sharon trotz allem pünktlich in einem Monat beginnen lassen will. Die "Waffenruhe", die zumindest bis nach der "historischen" Auflösung der Siedlungen halten sollte, ist praktisch längst zusammengebrochen. Immer weniger glaubhaft wirkt Sharons Ankündigung, dass es "keinen Abzug unter Feuer" geben werde.

Bis Freitag waren binnen 24 Stunden rund 50 Granaten und Raketen auf jüdische Siedlungen im Gazastreifen und grenznahe israelische Dörfer niedergegangen. Die Geschoße, von kleinen Kommandos der islamistischen Hamas und vermutlich auch der Fatah-nahen Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden abgefeuert, gehen oft daneben oder richten nur Sachschaden an, doch am Donnerstagabend war eine 22-jährige Frau in Israel durch einen Volltreffer getötet worden.

Luftangriffe

Freitagnachmittag kehrten die Israelis offenbar zu ihrer umstrittenen Politik der "gezielten Tötung" zurück. Bei Salfit im Westjordanland starben drei Hamas-Mitglieder, als Raketen in ein Haus einschlugen, in dem sie sich versteckt hielten. Kurz danach explodierte in Gaza ein mit Waffen beladenes Auto, wobei drei Hamas-Männer starben. Ein weiteres Hamas-Mitglied starb später an seinen Verletzungen im Shiffa-Krankenhaus in Gaza.

Am Abend folgte ein weiterer Luftangriff: Nahe Khan Younis sei eine "Zelle von Terroristen", die gerade einen Angriff mit Mörsergranaten auf den Siedlungsblock Gush Katif vorbereitet habe, mit einer Rakete beschossen worden, teilte die israelische Armee in einer Stellungnahme mit. Dabei sei einer der Palästinenser mittelschwer verletzt worden. In der Nacht auf Freitag hatten israelische Kampfhubschrauber erstmals seit Monaten Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Dass die Hamas mit ihrer Granatenoffensive gerade zu einem Zeitpunkt loslegte, als Mahmud Abbas sich in Gaza aufhielt, gilt als Ohrfeige für den Palästinenserchef, der gegenüber Israel und der internationalen Gemeinschaft für die Waffenruhe politisch haftet. Die Islamisten wollen offenbar zeigen, dass sie im Gazastreifen das Sagen haben, und zugleich demonstrieren, dass die Israelis nicht freiwillig abziehen, sondern durch Waffengewalt in die Flucht getrieben werden. Minister Mohammed Dahlan, der seit Jahren als starker Mann in Gaza gilt, wirkte hilflos: "Die Verletzungen der Waffenruhe in den letzten Wochen, sowohl vonseiten Israels als auch vonseiten der palästinensischen Fraktionen, dienen nicht dem Interesse des palästinensischen Volkes", warnte Dahlan.

Versuche der Autonomiebehörde, ihre Autorität zu behaupten, endeten in Scharmützeln, bei denen die Polizei auch gepanzerte Fahrzeuge einsetzte. Bei einem Feuergefecht zwischen Polizisten und der Hamas in einem dicht besiedelten Viertel von Gaza wurden ein Kind und ein Jugendlicher getötet, rund 25 Menschen wurden verletzt. (DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.07.2005)

Ben Segenreich aus Tel Aviv
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Palästinenser gegen Palästinenser: Ein gepanzerter Transportwagen der Palästinenser-Polizei kam bei Gefechten in Gaza-Stadt mit der Hamas unter Feuer.

Share if you care.