Wunder der Sprache: Handgesalzen

21. Juli 2005, 16:58
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Manchmal kann man sich nur wundern, wozu die Sprache fähig ist, wenn sie dem Trend entsprechen will, einem Produkt noch eine letzte Nuance Naturbelassenheit abzunötigen. Als würde die vollbiologische Gefriertruhenerotik einer klarsichtfolienvollendeten Vakuumverpackung, aus der uns lachsfarben die sorgsam geschlichteten Blättchen vom norwegischen Räucherfisch entgegenlächeln, als würde dies allein nicht ausreichen, legt die Beschriftung noch eins drauf.

Als wäre diese klingend "Osso Collo" genannte und in appetitlich gefleckte Scheibchenform gebrachte Synthese aus Schweinefleisch, Gewürzen, Glucose, Sacharose, geschmacksverstärkendem Mononatriumglutamat, Ascorbinsäure und Kaliumnitrat für die Konservierung, als würde diese edle Mischung unser Ernährungsbewusstsein nicht ohnehin bereits bis in die Ernährungsbewusstlosigkeit steigern, springt uns von der Verpackung eine weitere, geradezu sensationell natürliche Eigenschaft des Produkts ins Auge: "Handgesalzen."

Ja, tatsächlich: Weder schultergezuckert, noch lendengepfeffert, noch fußgesäuert. Nein: "Handgesalzen." Jetzt interessiert uns nur noch, wem diese gottvoll salzenden Hände gehören. (DER STANDARD, Printausgabe vom 16./17.7.2005)

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