"Ziel ist Auswahlverfahren an allen Unis"

26. Juli 2005, 15:37
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Chef von Gehrers "zentralem Beratungsorgan" empfiehlt flächendeckendes Modell

Wien - Wenn Elisabeth Gehrer auf das "zentrale Beratungsorgan der Bildungsministerin" in Hochschulfragen - den Wissenschaftsrat - hört, dann wird es bald an allen Unis und für alle Studienfächer Zugangsbeschränkungen geben. Und nicht nur zwei Jahre befristet in den jetzt als Reaktion auf das EuGH-Urteil über Österreichs Uni-Zugang gesetzlich definierten acht Fächern.

Wissenschaftsratschef und Philosoph Jürgen Mittelstraß, sagt im STANDARD-Gespräch klar: "Die Arbeit der kommenden zwei Jahre soll das Ziel haben, qualifizierende Auswahlverfahren an allen Unis und für alle Studienfächer zu entwickeln." Der Wissenschaftstheoretiker von der Uni Konstanz fordert: "Man sollte sich jetzt nicht wieder aufatmend zurücklegen und sagen, die nächsten zwei Jahre sind so einigermaßen bewältigt, sondern man sollte sofort beginnen, ruhig, nüchtern und sehr entschlossen, über ein künftiges flächendeckendes Zulassungssystem nachzudenken. Der Wissenschaftsrat sollte sich auch einschalten."

Eines sei klar, der deutsche Numerus clausus sei das "denkbar schlechteste Prinzip" zur Studentenauswahl, das "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"-Prinzip der Medizin-Uni "nur der Not geschuldet. Ein schönes Beispiel für sehr verantwortungsvolle, rechtzeitige Vorbereitung ist die Veterinärmedizin Wien, die ein differenziertes, intelligentes, aber auch aufwändiges Zugangssystem mit Motivationsschreiben, schriftlichem Test und ausführlichen Interviews entwickelt hat".

Das Wehklagen über den Andrang deutscher Studenten vor allem zu den Medizin-Unis sei "unberechtigt", meint Mittelstraß: "Die Welle war absehbar. Jetzt geht es darum, ein bisschen Europäer zu sein. Die Situation ist ja auch eine Chance. Wenn intelligente Leute aus dem Ausland kommen - wer sagt denn, dass die wieder gehen?" Der Gehrer-Berater sagt eines aber auch deutlich: "Man kann nicht sagen, dass im österreichischen Uni-System schon genug Geld ist, um optimal auszubilden."

Zumindest in dem Punkt würden ihm Josef Broukal und Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher von SPÖ und Grünen, auf Punkt und Komma zustimmen. Beide sind überzeugt, dass die Regierung Zugangsbeschränkungen insgeheim immer wollte.

Von Lisa Nimmervoll
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