Linzer Altstadt "zu heruntergekommen"

19. Juli 2005, 14:25
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Die Innenstadt ist ins Gerede gekommen - Auslöser waren Massenkrawalle - Eine Geschäftsfrau gibt nun auf und schließt sie ihr Geschäft

Linz - Die Linzer Altstadt ist ins Gerede gekommen. Auslöser waren Massenkrawalle vor zwei Wochen. Rund hundert Personen waren in den frühen Morgenstunden in eine Schlägerei verwickelt, mehr als 50 Polizisten mussten ausrücken. Claudia Johnson zieht nun die Konsequenz. Mit 1. September schließt sie ihr Geschäft, ihr ist das "Beisl"- und Geschäftsviertel "zu heruntergekommen".

Altstadt nachts besser ausgeleuchtet

Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) lässt solche Behauptungen nicht gelten: "Ich lasse mir die Altstadt nicht schlechtreden." Auch gegen den Vorwurf, er würde in seiner Funktion als Bürgermeister nichts gegen die "untragbaren Zustände" unternehmen, wehrt er sich. "Das, was in unserem Ermessen liegt, wurde getan." So werde die Altstadt nachts besser ausgeleuchtet, Kopfsteinpflaster erneuert. "Und wir putzen, was das Zeug hält." Claudia Johnson hingegen berichtet, dass beispielsweise vorigen Samstag um acht Uhr Müll und Glasscherben in den Gassen herumlagen und vor einem bekannten Lokal mehrere Männer grölten.

"Die gute Frau hat bei uns im alten Rathaus ein Geschäft eröffnet, das nur wenige Meter von ihrem in der Altstadt entfernt ist", merkt Dobusch an. Er gehe davon aus, dass die Geschäftsfrau sowieso geplant hatte, nach der Neueröffnung den alten Laden zu schließen.

Geschäfte laufen nicht gut

Doch die Geschäfte in der Altstadt laufen in der Tat nicht gut. Das bestätigt auch Siegfried Hain, langjähriger Obmann des Vereins "Altstadt neu". Von 45 Geschäften vor zehn Jahren gebe es heute nur noch die Hälfte. Hain selber betreibt noch seines, doch aus dem Viertel, in dem er einst gewohnt hat, ist er mittlerweile weggezogen.

Vizebürgermeister Erich Watzl (ÖVP) kann das verstehen. Im Gegensatz zu Dobusch hält er die Altstadt sehr wohl für ein Problemviertel. Wenn es nicht gelinge, nachts für Ruhe und Ordnung zu sorgen, werde man "die Tagesfrequenz der Passanten nicht erhöhen" können, ist er sicher.

Sperrstunde vorverlegen

Das sei aber nicht Aufgabe der Stadt, kontert Dobusch. Für die Sicherheit ist ausschließlich die Polizei zuständig", betont er. Dem wiederum kann Watzl nicht beipflichten. Laut dem zuständigen Wachzimmer Landhaus mehren sich die Anzeigen wegen nächtlicher Ruhestörung ab vier Uhr Früh. Die ÖVP will deshalb erreichen, dass die Sperrstunde auf drei Uhr vorverlegt wird. Dobusch plädiert für eine andere Lösung. Die Vermieter sollten sich die Mieter künftig besser anschauen. Schlechte Wirte würden ein schlechtes Publikum anziehen. (ker, DER STANDARD Printausgabe 16.7.2005)

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