Verkaufsschlager ohne Profit

18. Juli 2005, 14:25
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Die aufgehobene Buchpreisbindung in Großbritannien ist Schuld - Mit Kampfpreisen in Österreich schafft man es nur auf "blassrosa Null"

Wien - Der englische Buchhandel wird wenig von der Umsatzstärke des Zauberschülers profitieren. Das liegt an der Aufhebung der Buchpreisbindung in Großbritannien. Zwar "empfiehlt" Bloomsbury einen Verkaufspreis für das 672 Seiten starke Werk: 16.99 Pfund. Nur die wenigsten Exemplare allerdings werden tatsächlich um diesen Betrag über den Ladentisch gehen: Allein die Supermarktkette Asda, deren 248 Filialen eigens um Mitternacht geöffnet hielten, wirbt mit Angeboten unter 9 Pfund - nicht der Erlös zählt bei HP, vielmehr der Werbeeffekt. Knapp 11 Pfund, genau 15,80 Euro, verrechnet Amazon seinen Kunden.

Zwar rechnet der deutschsprachige Buchhandel mit immerhin 600.000 verkauften Exemplaren der englischen Ausgabe, doch stellt der Verkauf eine reine Serviceleistung für den Kunden dar. Anders im Herbst, wenn Carlsens deutsche HP6-Ausgabe mit rund 3,5 Millionen verkauften Exemplaren dem Buchhandel rund 60 Millionen Umsatz bescheren dürfte. Gegen solche Magie der Zahl ist selbst der Papst machtlos - der die Gefahr HP früh erkannte: "Dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen kann."

Run auf österreichische Buchhandlungen

Den erwarteten Run auf "Harry Potter and the Half-Blood Prince" haben die österreichischen Buchhandlungen seit dem ersten Verkaufstag am Samstag erlebt. Viele Potter-Fans wollten nicht auf die am 1. Oktober erscheinende deutsche Übersetzung warten und durften sich über wahre Kampfpreise freuen. Für 14.99 Euro ging der sechste Band etwa bei Libro, Morawa, Frick und Amadeus über den Ladentisch.

Mit Kampfpreisen in Österreich schafft man es nur auf "blassrosa Null"

Rund 8.800 Stück hat die Libro-Kette bereits verkauft, hieß es am Montag. Deutlich spürbar sei ein Stadt-Land-Gefälle zwischen den 210 Filialen gewesen. In den Städten griff man eher zum englischen Potter. Diese Erfahrung machte auch Morawa. Mehr als 2.000 Stück verkaufte die Kette österreichweit. Der Kampfpreis werde nicht ewig halten, meinte man bei Morawa, schließlich komme man mit diesem Marketingpreis nur auf eine "blassrosa Null".

Bei Amadeus ist man sehr zufrieden mit dem Verkauf. Über 3.000 Potter-Leser kamen österreichweit in die Filialen. Im British Bookshop wurden trotz dem (auch vom Verlag empfohlenen) Preis von 24.90 Euro (zum Auftakt waren es 19.90 Euro während einer Potter-Party von Freitag auf Samstag) in den beiden Wiener Filialen 800 Stück verkauft. Zahlreiche weitere Potter-Bände dürften inzwischen in österreichischen Briefkästen gelandet sein. Der Online-Buchhändler Amazon hat im gesamten deutschsprachigen Raum über 150.000 Stück ausgeliefert, gesonderte Zahlen für Österreich gibt es nicht.

Gewinne im Herbst bei deutscher Ausgabe erwartet

Im Oktober freuen sich die Buchhändler auf die nächste Potter-Manie. Im Herbst dürfte auch der Gewinn stimmen: Bei fixem Buchpreis von wahrscheinlich 23.20 Euro werden dann die Fans des Zauberlehrlings, die ihren Potter gerne auf Deutsch lesen, die Buchhandlungen stürmen. (red/APA/cia, DER STANDARD, Printausgabe vom 16./17.7.2005)

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