Kommentar: Akademiehof, Mahnmal des Versagens

22. Juli 2005, 12:21
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Statt den Akademiehof als Ausstellungshaus zu führen, muss dieser nun vermietet werden

Immer wieder klagten die Rektoren der Angewandten über Raumnot. Doch sie scheiterten mit ihren Plänen, das Hauptgebäude durch einen großen Neubau zu ergänzen. Doch kein Schaden ohne Nutzen: Die Infrastrukturkosten (4,4 Millionen Euro) bewegen sich in einem vertretbaren Verhältnis zum Gesamtbudget (26 Millionen Euro). Und das ist nicht unwichtig, seit die Universitäten selbst über das Budget verfügen. Der Akademie der bildenden Künste hingegen gelang es unter Rektor Carl Pruscha in den 90er-Jahren, enorm zu expandieren: Hinzu kam zum Beispiel das Semper-Depot als platzverschwenderisches Atelierhaus. Die Rechnung dafür bekam jetzt Stephan Schmidt-Wulffen präsentiert: Der Rektor kann sich das ehemalige Kulissenlager eigentlich nicht mehr leisten. Denn insgesamt sieben Millionen Euro, mehr als ein Drittel des Gesamtbudgets (20 Millionen), fließen in die Infrastruktur. Und die Ausgaben für die Infrastruktur steigen, wie jene für das Personal, stetig. Die Universitäten bekommen die Mehrkosten (abgesehen von den Lohnerhöhungen für die Beamten) aber nicht ersetzt: Das frei verfügbare Budget schmolz im Fall der Akademie bereits gegen null. Statt den Akademiehof als Ausstellungshaus zu führen, wie geplant, oder als Medienzentrum zu verwenden, wie angedacht, wird das Gebäude, das zum Teil der Akademie gehört, nun vermietet - und News Daily (oder wie immer die Fellner-Tageszeitung heißen mag) beherbergen. Mit den Einnahmen können zwar drei Professuren bezahlt werden. Ein Mahnmal des Versagens ist der Akademiehof dennoch. Sowohl für die Akademie, die das Kupferstichkabinett mit seinen Weltkulturerbe-Kunstschätzen irgendwohin verlagert, als auch für das Bildungsministerium, das den Universitäten nicht jene Finanzierung zugesteht, die eben notwendig ist. (DER STANDARD, Printausgabe vom 16./17.7.2005)
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