Auch Schuhbomber verwendete "Satans Mutter"

18. Juli 2005, 19:30
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Richard Reid versuchte im Dezember 2001, ein Flugzeug zu sprengen – Lebenslange Haft

Boston/Paris – Der Sprengstoff Azetonperoxid ("Satans Mutter" genannt") ist bereits einmal spektakulär verwendet worden: Der so genannte Schuhbomber Richard Reid versuchte damit am 22. Dezember 2001 ein Flugzeug zu sprengen. Der Anschlag scheiterte jedoch vor allem an Reids Dilettantismus: Hektisch hatte der Brite an Bord des American-Airlines-Fluges 63 von Paris nach Miami mit Streichhölzern herumhantiert.

Ganze sechsmal versuchte er vergeblich, den Sprengstoff in seiner Schuhsohle zu entzünden – und alarmierte so Crew und Passagiere, die ihn in einem wilden Handgemenge überwältigten. Die Maschine machte in Boston eine Notlandung, Reid wurde festgenommen.

Ende Jänner 2003 wurde der Schuhbomber von einem Bundesgericht in Boston wegen des versuchten Selbstmordanschlages zu lebenslanger Haft plus 110 Jahre verurteilt – die Zusatzstrafe soll sicherstellen, dass der damals 29- Jährige das Gefängnis nie mehr verlässt. Reid zeigte bei dem Urteilsspruch keine Reue: "Ich hasse die USA, und ich bin mit Allah", sagte er damals.

Die Ermittlungen ergaben, dass Reid Kontakte zum organisierten islamistischen Terrorismus unterhielt. Er selbst erklärte vor Gericht: "Ich bin ein Mitglied von Al- Kaida. Ich gelobe Treue zu Osama Bin Laden." Experten beschrieben ihn dennoch als kleinen Fisch. Sie vermuten, er sei von den Terrorbossen für die Selbstmordmission ausgesucht worden, weil er als Nichtaraber mit europäischem Pass nicht in das Raster der Fahnder gepasst habe. Diesen "Nobody" zu benutzen sei ein brillanter Plan gewesen, so Matthew Levitt, ein früherer Antiterroragent der US-Bundespolizei FBI.

Erst im Juni verurteilte ein Pariser Gericht drei Helfer Reids zu Haftstrafen. Die Männer hatten dem Schuhbomber während eines Aufenthalts in Paris geholfen, seinen Anschlagsversuch vorzubereiten. Einer der Komplizen muss fünf Jahre in Haft bleiben, die beiden anderen hatten ihre dreijährige Haftstrafe bereits in U-Haft abgesessen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.7.2005)

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    Die "Schuhbombe"

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