Gefährliches Andockmanöver vor 30 Jahren

17. Juli 2005, 11:00
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Damaliger Kosmonaut enthüllt bisher unbekannte Einzelheiten des Sojus-Apollo-Manövers

Moskau - Dreißig Jahre nach dem ersten Treffen der Supermächte im All hat der damalige Kommandeur des Sojus-Raumschiffs, Alexej Leonov (71), bisher unbekannte Einzelheiten über das Andockmanöver zwischen dem sowjetischen Raumschiff Sojus und dem amerikanischen Raumschiff Apollo enthüllt. Das Manöver vom 17. Juli 1975 sei viel gefährlicher gewesen, als damals in den Medien berichtet worden sei. Das sagte Leonov der russischen Tageszeitung "Iswestija" am Freitag.

Reparatur im All

Unmittelbar vor dem Start habe die russische Seite entdeckt, dass das zum Andocken benötigte optische Überwachungssystem nicht funktioniere. Eine Verschiebung des Starts sei aber aus politischen Gründen auf keinen Fall in Frage gekommen. "Im All wurden wir dann angeleitet, wie der Schaden zu beheben sei. Als Werkzeuge standen uns ein Messer, ein Schraubenzieher und ein Jagdmesser, das ich mir kurz vor dem Abflug für fünf Rubel und fünf Kopeken gekauft habe, zur Verfügung", erinnerte sich der Kosmonaut. "Wir arbeiteten die ganze Nacht durch. Die Amerikaner haben uns gefragt, warum wir so müde aussehen." Statt zu antworten hätten die Russen nur gesagt: "Ihr seht auch müde aus!"

Neue Ära

Die Mission, für die der Kosmonaut Englisch lernen musste, sei auch politisch bedeutsam gewesen. Sie habe die feindliche Konkurrenz der Supermächte im All beendet und markiere den Beginn einer neuen Ära. "Wir sollten zeigen, dass Russen und Amerikaner zusammenarbeiten können." Der gemeinsame Flug dauerte zwar nur 46 Stunden, wurde aber zum Prototyp der internationalen Stationen wie der ISS.

Leonov und sein US-Kollege, der damalige Apollo-Kommandeur Tomas Stafford, setzten sich auch dafür ein, dass das All nicht für kriegerische Zwecke genutzt werde. "Der Krieg der Sterne ist nur etwas fürs Kino", sagte Leonov, den eine tiefe Freundschaft mit Stafford verbindet. Ein Enkel Staffords heißt Alexej, eine Enkelin Leonovs ist nach der Tochter des US-Astronauten benannt. (APA/dpa)

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    Alexej Leonov (links) und Thomas Stafford bei einer Zeremonie in Oklahoma City (USA) am 11. Juli.

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