Gerhard Zeiler wird 50

22. Juli 2005, 14:04
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Er gilt als einer der einflussreichsten Medienmacher Europas und hat die Fernsehlandschaft geprägt

Er gilt als einer der einflussreichsten Medienmacher Europas und hat sowohl die österreichische als auch die deutsche Fernsehlandschaft entscheidend geprägt: Gerhard Zeiler, Chef der RTL-Gruppe, feiert am Mittwoch. 20. Juli, seinen 50. Geburtstag. Von seiner Position als RTL-Geschäftsführer wird er sich mit September (wieder) zurückziehen, um sich auf die Führung der internationalen RTL Group mit Sitz in Luxemburg konzentrieren. Den langjährigen unbestrittenen Marktführer RTL musste der österreichische Medienlegionär in der jüngeren Vergangenheit durch rauere Gewässer steuern.

Seit 1998 an der Spitze von RTL

Seit 1998 steht Zeiler an der Spitze des deutschen Privatsenders, im März 2003 wurde er auch CEO der RTL Group und leitet damit die Geschicke von 23 TV- und 22 Radiostationen in acht Ländern. Viel zu tun - im Vorjahr übergab er denn auch seinen Job als Fernseh-Chef in Deutschland an Marc Conrad. Das funktionierte aber nicht so recht, und als sich zu den kritischen Stimmen in der Medien-Presse auch eine steigende Nervosität der Werbebranche gesellte, riss Zeiler das Ruder bei Deutschlands größtem Privaten wieder an sich. Nun aber scheint er mit Anke Schäferkordt eine Nachfolgerin in seinem Sinne gefunden zu haben.

Der am 20. Juli 1955 geborene Wiener ist ein ausgewiesener Medienprofi. ORF-Kurator, ORF-Generalsekretär und schließlich - von 1994 bis 1998 - ORF-Generalintendant war er in Österreich. Zuvor kannte er die Medien eher von der "anderen Seite", war er doch 1979 bis 1983 Pressesprecher des damaligen Unterrichtsministers Fred Sinowatz (SPÖ) und - von 1983 bis 1986 - des damaligen Finanzministers Franz Vranitzky (SPÖ).

ORF-General

Die Karriere in der Heimat wurde für Engagements am deutschen Markt unterbrochen: 1991 und 1992 war er Geschäftsführer beim Münchner Privatsender Tele 5, von 1992 bis 1994 übernahm er die Führung des damals neu gegründeten RTL II, das 1993 auf Sendung ging. Sein dortiger Vertrag lief 1994 aus, im selben Jahr übernahm er die Register der größten Medienorgel Österreichs und wurde Generalintendant.

Als ORF-General machte sich Zeiler daran, das ORF-Programm gründlich umzukrempeln. "Irgendwie macht es mir Spaß, heilige Kühe zu schlachten; das wird sich auch im Programm fortsetzen", sagte er damals. Zeiler war der erste ORF-Chef, der für das österreichische öffentlich-rechtliche Fernsehen dezidiert auf das Begriffspaar "Massenattraktivität und Programm" setzte. Von Kritikern musste sich der "Zeiler-Kurs" denn auch häufig "Quotenjagd" vorwerfen lassen. Von den Programmformaten, die unter Zeiler eingeführt wurden, sind viele noch heute zu sehen: etwa "Willkommen Österreich", "Vera", "help-TV" oder die "Zeit im Bild 3". Der Spartenkanal TW1 ist ebenfalls ein Produkt der Ära Zeiler.

"Ich bin viel sensibler als alle glauben"

"Wahrscheinlich passe ich besser in die Privatwirtschaft", meinte Zeiler dann 1998: Da hatte ihn bereits der Ruf zu RTL ereilt, seine vierjährige Funktionsperiode als ORF-GI lief aus. Eine zweite Amtszeit hätte ihn grundsätzlich gereizt, gab er damals zu verstehen. Politisch sah er sich aber vor allem von Teilen der ÖVP unerwünscht. "Ich bin viel sensibler, meine Freunde sagen: viel wehleidiger, als alle glauben. Ich möchte nur dort arbeiten, wo ich das Gefühl habe, ich werde wirklich gewollt." Ein aufmerksamer Beobachter der österreichischen Medienlandschaft ist Zeiler aber weiterhin geblieben.

Zeiler sorgt übrigens auch in Österreich immer wieder für Schlagzeilen. Immer wieder stattet er SPÖ-Wahlkampfveranstaltungen wohlwollende Besuche ab - zuletzt im Mai in der Steiermark, wo er sich mit Überlegungen zu einer ORF-Filetierung wenig Freunde am Küniglberg machte. Im Vorjahr gab es außerdem heftige Spekulationen in verschiedenen Medien, wonach Zeiler als möglicher SPÖ-Spitzenkandidat für die nächste Nationalratswahl SP-Chef Alfred Gusenbauer ablösen könnte. "Gerüchte", die nach Zeilers Ansicht höchstens "in eine RTL-Comedyserie" passten, hatte er damals betont. (APA)

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