Erste Atombombe vor 60 Jahren in den USA gezündet

16. Juli 2005, 11:00
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Sie explodierte auf dem Testgelände Trinity in der Wüste von New Mexico

Trinity - Am 16. Juli 1945 zündeten US-Wissenschaftler und Militärs um den Atomphysiker Robert Oppenheimer auf dem Testgelände Trinity in der Wüste des US-Bundesstaats New Mexico die erste Atombombe. Wenige Wochen danach warfen US-Bomber über Hiroshima und Nagasaki Atombomben ab.

Staatsgeheimnis

Nichts Vergleichbares hatte die Erde erlebt, als Oppenheimer um 05.30 Uhr Ortszeit die Kettenreaktion zur Zündung der Bombe in Gang setzte. So mächtig war die Explosion, so unvorstellbar groß die Hitze, dass sie einen 800 Meter weiten Krater aufriss und den Wüstensand zu einer grünlichen radioaktiven Glasmasse zusammenschmolz. Noch 200 Kilometer entfernt gingen Fensterscheiben zu Bruch. Ein Waffenlager in der Wüste sei in die Luft geflogen, wurde den Betroffenen gesagt. Denn das "Manhattan Project", die Entwicklung und der Bau der Atombombe, war in den USA Staatsgeheimnis.

Den Wissenschaftlern, welche die Explosion zehn Kilometer entfernt aus einem unterirdischen Bunker zündeten und beobachteten, war bewusst, dass die technisch erfolgreiche Testzündung Verheißung und Verhängnis zugleich war. Als die Detonation die Stille zerriss, die Wüste in gleißend helles Licht tauchte und die erste von Menschen gemachte atomare Pilzwolke in den Himmel trieb, zitierte der hoch gelehrte Oppenheimer einen Vers aus dem indischen Hindu-Epos Bhagavad-Gita: "Jetzt bin ich der Tod, der Zerstörer der Welten." Sein Physikerkollege Kenneth Bainbridge fand prosaischere Worte. "Wir sind nun alle Hurensöhne", entfuhr es ihm in dem Bunker.

Eindrücke

Jahre später berichtete der US-General Thomas Farrell seinen Eindruck von dem Erlebten: "Die Explosion leuchtete jeden Hügel, jeden Spalt, jeden Kamm des nahe gelegenen Gebirgszugs mit einer Klarheit und Schönheit aus, die nicht beschrieben werden kann." Doch schon damals seien Zweifel in die Erhabenheit des Augenblicks eingesickert. Er habe sich gefragt, ob es nicht Gotteslästerung sei, "sich die Kräfte zu eigen zu machen, die vorher dem Allmächtigen vorbehalten waren". Oppenheimer sagte Jahre danach: "Wir wussten: Die Welt würde nicht mehr dieselbe sein."

Spurensuche 2005

Trinity im Juli 2005: Die Behörden lassen eine Gruppe von 50 hoch begabten Schülern aus aller Welt auf das abgesperrte Gelände, um nach Spuren der Explosion zu fahnden. Technikbegeistert sind sie alle, doch die Bombe sehen sie mit gemischten Gefühlen. "Hier ist also der Geburtsort der ersten A-Bombe", sinniert der 17-jährige Südkoreaner Lee Ga-Il. "Ich finde, eine solche Waffe ist unmoralisch, aber sie hat den Krieg beendet und die Koreaner gerettet. Darüber bin ich froh." Sein kalifornischer Altersgenosse Michael DeLiso drückt es so aus: "Für die Japaner war es echt Mist, aber es hat viele Menschenleben gerettet, dass der Krieg dann zu Ende ging."

Abwurf über Japan

Tatsächlich war es nach der Testzündung von Trinity nur noch eine Frage von Tagen, bis der Krieg zu Ende war. Drei Atombomben hatte die US-Armee bis Mitte Juli 1945 fertig gestellt: zwei Plutoniumbomben und eine Uranbombe. Nur vier Stunden nach der Explosion von Trinity wurde Bombe Nummer zwei an Bord des Schiffes "USS Indianapolis" verladen und in Richtung Japan verschifft. Am 6. August ließ sie Hiroshima in einem Feuersturm untergehen. Bombe Nummer drei explodierte am 9. August in Nagasaki. Die Niederlage Japans war besiegelt.

Auf dem Gelände in New Mexico markiert heute ein schwarzer Gedenkstein die Stelle, an der die 19-Kilotonnen-Bombe gezündet wurde. Viel mehr ist nicht zu sehen. Der Krater wurde in den 60er Jahren aufgefüllt, und auch Oppenheimers unterirdischer Bunker wurde damals zerstört. "Das Militär ist bei solchen Sachen nicht sentimental", sagt Armeesprecher Jim Eckles. "Wenn etwas weg muss, dann kommt es weg." (APA)

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