Österreichs Autohandel vor massiver Umstrukturierung

31. Juli 2005, 18:30
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Experten: Jeder dritte Einzelhändler könnte bis 2012 vom Markt verdrängt werden - Übernahmen durch österreichische und internationale Unternehmen erwartet

Wien - Angesichts einer unbefriedigenden Ertragssituation, kleinstrukturierter Branchenstruktur sowie europaweiter Liberalisierung erwartet die Contrast Management-Consulting in den nächsten Jahren eine nachhaltige Veränderung des österreichischen Autohandels. Die neue Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) beschleunigt die Marktliberalisierung. Mit zahlreichen Übernahmen und Unternehmenszusammenschlüssen, aber auch mit Insolvenzen werde zu rechnen sein, heißt es in einer Analyse des Unternehmensberaters Martin Unger.

Verdrängungswettbewerb

Bis zum Jahr 2012 werde voraussichtlich jeder dritte Einzelhändler vom Markt verdrängt oder übernommen werden. Die Übernahmen würden sowohl von größeren österreichischen als auch von internationalen Unternehmen getätigt werden. Nach der Gruppenfreistellungsverordnung, die zu wesentlichen Teilen bereits in Kraft getreten ist, gibt es ab 1.Oktober 2005 keine Beschränkungen hinsichtlich der Anzahl und dem Standort von Verkaufsstätten. Als Vertragsgebiet gilt die gesamte EU. Somit wird es jedem Händler möglich sein, mit einem einzigen Markenvertrag Verkaufsstützpunkte in allen EU-Mitgliedsländern zu eröffnen.

Neue Wettbewerber und Wettbewerbsformen werden am Markt aktiv werden, erwartet Contrast Management-Consulting. Insbesondere in Ballungsgebieten werden nationale und internationale Mega- bzw. Mehrmarkenhändler entstehen. Im Gebrauchtwagengeschäft werden voraussichtlich spezialisierte, international tätige Unternehmen in den österreichischen Markt eintreten. Zu erwarten sei weiters, dass einige Automobilhersteller ihre direkten Handelsaktivitäten für Firmenkunden, Leasinggesellschaften und öffentliche Stellen weiter intensivieren werden.

Internet beim Neuwagengeschäft unbedeutend

Leasinggesellschaften, Kaufhausketten und andere Vertriebsorganisationen werden voraussichtlich nur in einzelnen Fällen eigene Autovertriebsaktivitäten entfalten. Ebenso wird das Internet als Verkaufskanal im Neuwagengeschäft voraussichtlich unbedeutend bleiben.

Im Servicegeschäft, dem Geschäftsfeld mit den derzeit höchsten Margen, wird sich der Wettbewerb laut dem Beratungsinstitut ebenfalls verschärfen. So werden die Spannen im Ersatzteilgeschäft in Teilbereichen sinken, weiters werden Serviceketten insbesondere bei älteren Fahrzeugen und einfacheren Reparaturleistungen an Bedeutung gewinnen.

Selektionsprozess

In den nächsten Jahren soll auf Grund dieser Entwicklungen ein Selektionsprozess stattfinden, den voraussichtlich mehr als ein Drittel der Händler nicht überleben werden. Besonders mittelgroße Händler stünden vor großen Herausforderungen. Im kleinstrukturierten österreichischen Automobilhandel wiesen zahlreiche Unternehmen stagnierende Umsätze und unbefriedigende Renditen und Eigenkapitalquoten auf, so Unger. Bei den Standorten ist bis 2012 mit einer etwas geringeren Reduktion von ca. 20 Prozent zu rechnen.

Contrast Management-Consulting ist mit über 70 Mitarbeitern als Strategie- und Controllingberater tätig. Seit 1992 ist das Unternehmen auch mit eigenen Büros in Ost- und Südosteuropa aktiv. (APA)

  • Im österreichischen Autohandel könnte bis 2012 jeder fünfte Standort aufgelassen werden müssen.
    foto: epa/jin

    Im österreichischen Autohandel könnte bis 2012 jeder fünfte Standort aufgelassen werden müssen.

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