780.000 Euro für Betriebsrat

31. Juli 2005, 18:22
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Entlassender Personalmanager zahlte Gelder zwei Jahre lang ohne Rechnungen aus - VW-Marken-Chef Bernhard sieht harte Jahre auf VW zukommen

Wolfsburg - In der Schmiergeldaffäre bei Volkswagen sind erstmals Zahlen zu den nicht belegten Ausgaben von Betriebsräten aufgetaucht. Nach einem Bericht der in Hannover erscheinenden Zeitung "Neue Presse" (Freitagausgabe) gab der fristlos entlassene VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer binnen zwei Jahren rund 780.000 Euro Firmengelder für Betriebsratsarbeit ohne Rechnungen aus. Der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard stimmte die Mitarbeiter unterdessen auf noch härtere Zeiten in den kommenden drei Jahren ein.

Eigenbelege

Auf den so genannten Eigenbelegen habe Gebauer jeweils vermerkt "im Interesse des Unternehmens vom Gesamtbetriebsrat ausgegeben", berichtet die "Neue Presse". Gebauer war Koordinator zwischen Konzern und Betriebsrat unter dem zurückgetretenen Personalvorstand Peter Hartz. Gegen Gebauer ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Verdachts der Untreue und des Betruges.

Nach Medienberichten sollen Betriebsräte samt Ehefrauen auf Firmenkosten luxuriöse Reisen unternommen haben. Auch Flüge von Prostituierten sollen aus der VW-Kasse bezahlt worden sein. Der neue VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass es vom Vorstand organisierte Reisen für leitende Betriebsräte gab. Er habe sich aber nach seiner Wahl zum stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden 2004 mit "Kollegen abgestimmt, dass es diese Reisen nicht mehr geben wird".

"Es geht uns nicht gut"

Markenvorstand Bernhard sagte der VW-Mitarbeiter-Zeitung "Autogramm": "So gut, wie es uns jetzt geht, wird es uns in die nächsten drei Jahre nicht mehr gehen. Und es geht uns nicht gut." VW habe derzeit Schwächen: "Zum einen sind wir kaum noch in der Lage, wirklich preiswerte Volkswagen anzubieten", sagte er. Zum anderen erfülle VW derzeit das Markenversprechen von Qualität, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit nur unzureichend. VW müsse daher sein ganzes Augenmerk darauf richten, neue Produkte an den Start zu bringen. "Wir brauchen fünf bis zehn neue Fahrzeuge, die über die bestehende Modellpalette hinausgehen", sagte Bernhard. Zugleich müsse VW in den nächsten drei Jahren sieben Milliarden Euro einsparen.

Die beiden VW-Mitarbeiter und SPD-Landtagsabgeordneten Ingolf Viereck und Hans-Hermann Wendhausen ließen ihre Arbeitsverhältnisse beim Autokonzern rückwirkend zum 1. Juli doch weiter ruhen, wie der Volkswagen-Konzern bekanntgab. "Wir möchten mit dieser Entscheidung zu einer Versachlichung der öffentlichen Diskussion beitragen und damit Schaden von dem Unternehmen abwenden," erklärten Viereck und Wendhausen laut Unternehmen. VW begrüßte die Entscheidung.

Zweites Gehalt ohne Arbeitsleistung

Wendhausen und Viereck hatten zehn Jahre lang parallel zu ihren Diäten in Höhe von 5.400 Euro monatlich ein zweites Gehalt von Volkswagen kassiert, ohne dafür gearbeitet zu haben. Sie sollen nun 765.000 Euro an das Land Niedersachsen zurückzahlen. Ihr seit Jahresanfang ruhendes Arbeitsverhältnis bei VW war zunächst zum 1. Juli reaktiviert worden. Der niedersächsische Regierungschef und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) hatte dies scharf kritisiert. (APA)

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