Industrie sieht Jobabbau gestoppt

29. Juli 2005, 15:38
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Konjunkturbarometer der IV steigt von 19 auf 23 Punkte - "Zwei Prozent Wachstum sollten drinnen sein"

Wien - Das am Freitag vorgestellte Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) zeigt ein überraschend positives Bild der Konjunktursituation der heimischen Industrie: Während die Wirtschaftsforschungstitute und internationale Organisationen in den vergangenen Wochen die Wachstumserwartungen für heuer deutlich gedämpft haben, rechnet die IV damit, fast an das Wachstum des vergangenen Jahres (2,25 Prozent) anschließen zu können.

"Zwei Prozent Wachstum möglich"

Zwei Prozent Wachstum sollten auf Basis optimistischer Produktionserwartungen, voller Auftragsbücher, und eines niedrigeren Euro heuer drinnen sein, meinte IV-Chefökonom Christian Helmenstein bei der Vorstellung der Umfrage. Während die Industrie Jahr für Jahr Beschäftigte verliert, dürfte der Mitarbeiterstand heuer trotz eines weiter hohen Produktivitätswachstums gleich bleiben, meinte Helmenstein.

Das "Konjunkturbarometer" der IV, als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der für den Jahresultimo 2005 erwarteten Geschäftslage berechnet, hat per Saldo von 19 auf 23 Punkte zugelegt. "Die Atempause, die wir im 1. Quartal zu verzeichnen hatten, scheint vorüber", sagte IV-Generalsekretär Markus Beyrer.

Deutlich sinkende Preise erwartet

Bezüglich der Geschäftslage in sechs Monaten zeigt sich die IV nur "verhalten optimistisch". Wermutstropfen: Die Erwartungen deutlich sinkender Preise. Auch ein weiterer Anstieg der Ölpreise könnte negative Konsequenzen haben.

Exportwirtschaft bleibt stark

Im Detail erwartet die Industriellenvereinigung wegen der guten Auftragssituation eine erkennbar stärkere Produktion - wenn auch nur saisonbereinigt, wenn man also in Rechnung stellt, dass etliche Industriebetriebe in den Sommermonaten traditionell Werksferien machen. Die Auftragsbestände und die Auslandsaufträge liegen zwar nach wie vor deutlich unter dem Niveau vom Frühjahr/Sommer 2004, unter dem Strich bleiben in der Erhebung die optimistischen Einschätzungen aber deutlich in der Überzahl.

Die in den vergangenen Monaten auftretenden Alarmzeichen aus der Exportwirtschaft hält IV-Ökonom Helmenstein auf Basis der Umfrage für ein vorübergehendes Phänomen: "Wir sehen keine strukturelle Exportschwäche der österreichischen Industrie", meinte er. Bei wichtigen Kenngrößen wie den Lohnstückkosten sei man - vom Euro unterstützt - gut unterwegs, die heimischen Exportbetriebe würden 2005 international Marktanteile gewinnen. Kleinere Sorgen macht den Industriellen die nachlassende Konsumgüterdynamik in Osteuropa - dies sei aber nach einem langen Jahren andauernden Nachholeffekt zu erwarten gewesen, hieß es.

"Zwangskonsum" durch teuren Treibstoff schöpfte Kaufkraft ab

Was die Binnenkonjunktur in Österreich betrifft, erwartet die IV, dass die (mit 0,2 Prozent zusätzlichem BIP ohnedies eher bescheidenen) Konjunktureffekte der Steuerreform im zweiten Halbjahr endlich bei der Wirtschaft ankommen könnten - vorausgesetzt das Öl wird nicht weiter teurer. Bisher sei die zusätzliche Kaufkraft durch die Steuerreform nämlich durch den teuren Treibstoff abgeschöpft worden - als eine Art "Zwangskonsum".

Bei den in den nächsten drei Monaten erwarteten Verkaufspreisen haben sich die Aussichten weiter verschlechtert - hier schlagen u.a. die gedämpften Aussichten bei den Stahlpreisen, und die chinesischen Textil- und Lederimporte zu Buche. Die Einschätzung der Ertragssituation in einem halben Jahr blieb in etwa konstant: Die große Mehrheit der heimischen Unternehmen erwartet hier keine Veränderung, Optimisten und Pessimisten halten sich in etwa die Waage.

Nationaler "Lissabon-Plan" im Herbst

Einen Bedarf an einem kurzfristig Programm zur Unterstützung der Konjunktur - wie vor zwei Wochen von der Wirtschaftskammer gefordert - sieht die IV derzeit als nicht gegeben an: "Aus heutiger Sicht besteht keine Notwendigkeit für einen Schnellschuss", sagte Generalsekretär Beyrer. Sehr wohl jedoch solle man sich strukturelle Veränderungen wie die Einführung einer degressiven Abschreibung (mit höherer Afa in den ersten Jahren) genau anschauen. Beyrer erwartet im Herbst darüber hinaus eine "umfassende Diskussion" über den Wirtschaftstandort. Österreich muss zu diesem Zeitpunkt - wie alle anderen EU-Staaten - einen nationalen "Lissabon-Plan" vorlegen.

Die IV will ihr Konzept der sogenannten "Österreich-Aktie", eines virtuellen Anteilsscheins an der "Österreich AG", in den nächsten Monaten verändern. Statt bisher 13 sollen in Zukunft an die 50 Experten um ihre Meinung über die Entwicklung der "Aktie" befragt werden. Bei den künftigen Experten-Einschätzungen soll freilich der Konjunkturaspekt "außen vor bleiben". Die Fachleute sollen künftig nur über die Standortbedingungen bzw. die wirtschaftspolitischen Entwicklungen befragt werden. (APA)

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