Die "Pawlowa der Parodie" ist tot

22. Juli 2005, 11:47
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Cilli Wang war politische Kabarettistin, Puppenspielerin und Grotesktänzerin

Wien - Die "Pawlowa der Parodie" Cilli Wang ist tot. Die aus Wien stammende Grotesktänzerin, Schauspielerin, Puppenspielerin und Kabarettistin starb bereits am Sonntag im Alter von 96 Jahren in Wien, wie der "Kurier" meldet. Die Künstlerin war vor dem Nationalsozialismus aus Wien geflüchtet und nach einer internationalen Solokarriere 1975 in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt.

Werdegang

Am 1. Februar 1909 in Wien geboren, studierte Wang nach einer Ausbildung als Modistin in den frühen 20er Jahren Modernen Tanz bei Gertrud Bodenwieser. Anfangs in Ensembles auftretend, galt ihr Interesse aber dem Zusammenhang von gesprochenem Wort und Bewegung. Sie kreierte tänzerische Bewegungsnummern zu Goethe, Wilhelm Busch oder Christian Morgenstern, die sie bald auch selbst rezitierte. Ihr Talent für komische Nummern führte zu Vergleichen mit Charlie Chaplin und zu Auftritten im legendären "Simpl".

Verheiratet mit dem Regisseur Hans Schlesinger, dessen Tod sie nie verwinden sollte, und befreundet mit Elias Canetti, parodierte sie die Frau Hitler, verulkte Volkstänze und war nach ihrer Flucht aus Österreich Mitglied in Erika Manns politischem Zürcher Exilkabarett "Die Pfeffermühle", wo sie als "Suppenkaspar", "Struwwelpeter" und "Zäzilie" (nach Morgenstern) Furore machte. Die Nazi-Zeit überlebte sie in Holland. Dort baute sie eine One-Woman-Karriere auf, in der sie nur auf Bewegung und Musik setzte.

Rückkehr nach Wien

Als personifizierte Mischkulanz aus Grotesktanz, Komik und Verwandlungskunst zählte Cilli Wang zu den skurrilsten Erscheinungen auf den Bühnen der Zwischen- und Nachkriegszeit. Zu einem ihrer Merkmale wurde das virtuose Hantieren mit großformatigen Puppen, die sie selbst herstellte. 1975 entschloss sich die Weltbürgerin, deren Tourneen sie u.a. nach Israel, Kuba, Amerika, Australien und Indonesien geführt hatten, nach Wien zurückzukehren. Die Künstlerin hinterlässt nicht zuletzt einen künstlerisch wertvollen Nachlass, dessen Zusammenhang ihre Sorge zu Lebzeiten galt. Nach ihrem Tod stellt sich die Frage, wie die Sammlung erhalten werden kann. (APA)

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