Gas im Herbst teurer

29. Juli 2005, 14:53
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Rechtzeitig zur Eröffnung der Heizsaison kann mit höheren Gaspreisen gerechnet werden - Hoher Ölpreis verteuert Einstandspreise - Mit Infografik

Wien - Gas wird im Herbst zu Beginn der Heizsaison teurer, erwartet Energieregulator Walter Boltz. Grund dafür sind die gestiegenen Ölpreise - der Preis für Erdgas ist mit einer Verzögerung von rund vier bis sechs Monaten an den Ölpreis gekoppelt. Für Oktober oder November seien zwar Senkungen der Netztarife geplant, die zum Teil im zweistelligen Prozentbereich ausfallen dürften. Das dürfte aber nicht ausreichen, um die Energiepreiserhöhungen zu kompensieren.

Es sei realistischerweise anzunehmen, dass die Erhöhungen bei den Gaspreisen stärker ausfallen werden als die Senkungen der Netztarife, sagte Boltz am Donnerstagabend vor Journalisten. Bei den reinen Energiepreisen sei mit Anhebungen zwischen 10 und 15 Prozent zu rechnen. Auf der Gasrechnung kommen dann noch die Gebühren für das Netz sowie Steuern und Abgaben dazu. Insgesamt erwartet Boltz Verteuerungen von "ein paar Prozent".

Erdgasimporte gestiegen

Die Erdgasimportpreise sind in den vergangen Monaten bereits deutlich gestiegen. Mussten im Durchschnitt des Jahres 2004 noch 13,6 Cent je Kubikmeter bezahlt werden, waren es April bereits 16,2 Cent je m3. Die E-Control rechnet mit einem weiteren Anstieg. Lag der durchschnittliche Gasimportpreis zu Jahresbeginn noch bei einem Index von rund 110 Prozent (Oktober 2002 = 100 Prozent), so könnten es bis Oktober 2005 rund 150 Prozent werden.

Am heimischen Gasmarkt sieht der Regulator derzeit zu wenig Wettbewerb. Die Wechselrate liegt noch deutlich unter jener bei Strom. Seit Beginn der Liberalisierung im Oktober 2002 haben rund 21.900 Kunden ihren Gaslieferanten gewechselt, davon rund 20.400 Haushalte. Die Wechselrate beträgt insgesamt 1,7 Prozent. Bezogen auf die Gasmenge haben rund 4.900 GWh oder 5,2 Prozent den Versorger gewechselt. Großabnehmer haben bei einem Lieferantenwechsel laut Regulierungsbehörde E-Control aber ein deutlich höheres Einsparpotenzial von rund 25 Prozent. Bei einem Haushaltskunden sind es lediglich rund 10 Prozent.

Wechselwillige Wiener

Einen neuen Lieferanten gesucht haben sich vor allem Wiener. Die Wechselrate liegt in Wien bei 2,0 Prozent, gefolgt von Niederösterreich und Oberösterreich mit jeweils 1,8 Prozent. Die höchsten Wechselraten gibt es laut E-Control in jenen Gebieten, in denen die Netztarife bereits relativ niedrig sind.

In Tirol und Vorarlberg ist es zu keinem Versorgerwechsel gekommen. Grund dafür sei die fehlende Leitungsanbindung zwischen Salzburg und Tirol. Es sei zu teuer, Kunden über Deutschland zu beliefern, so Boltz. Die Durchleitung von Salzburg nach Kufstein sei ungefähr so teuer wie von Sibirien zum niederösterreichischen Gas-Hub Baumgarten. Man habe auch das deutsche Bundeskartellamt darauf angesetzt. Man hoffe aber auf Besserung. Die Kosten für den Bau einer Leitung für die Verbindung Salzburg-Tirol wären aber "überschaubar". Es sei nicht gut, Tirol auf Dauer von der Liberalisierung fern zu halten. Generell stehe Österreich bei den Gaspreisen ganz gut da und jedenfalls besser als Deutschland und Italien.

Beim Heizen ist für Boltz die Fernwärme, wenn verfügbar, eine gute Lösung. Bei einer konventionellen Heizung sei man mit Gas nicht so schlecht bedient, umweltfreundliche Lösungen seien Pellets und Wärmepumpen. (APA)

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