Stronach blickt in die Zukunft

19. Juli 2005, 23:25
53 Postings

Austria-Boss Frank Stro­nach im Interview über Ziele, Struk­turen, Stadion-Projekt und den neuen Konkur­renten Red Bull Salzburg

Wien - Austria-Mäzen und Magna-Gründer Frank Stronach begrüßt den Einstieg von Dietrich Mateschitz mit Red Bull in den heimischen Fußball. "Konkurrenz belebt das Geschäft und hebt das Niveau", sagte der Austro-Kanadier. Der Milliardär sprach weiters über sportliche Ziele, die neuen Strukturen in den violetten Reihen, das Stadion-Projekt und auch über Geld.

Die Austria hat sich eine neue Geschäftsordnung verpasst, die Sie auch unterschrieben haben. Demnach sollen Sie sich aus dem Tagesgeschäft heraushalten, etwaige Trainer-Wechsel mit dem Verein vorher besprechen. Was versprechen Sie sich von den neuen "Spielregeln"?

Stronach: "Wir sind auf gutem Weg, aber den müssen wir auch konsequent verfolgen und fortsetzen. In den vergangenen Jahren wurde zu viel Entscheidungskompetenz und Verantwortung delegiert. Da wurde viel Geld nicht richtig eingesetzt. Ich möchte Markus Kraetschmer mehr Verantwortung geben. Er ist schon lange bei der Austria und hat schon immer gute Arbeit geleistet. Sportlich haben Peter Stöger und Frenkie Schinkels das Sagen, rechtlich unterstützt uns Wolfgang Rebernig. Ich vertraue ihnen, dass sie die Austria so führen, als ob es ihre eigene Firma wäre."

Die Zusammenarbeit zwischen Magna und Austria läuft nun sieben Jahre, Austria-Präsident Peter Langer hat kürzlich ein klares Bekenntnis zu Magna als Hauptsponsor abgelegt. Hat diese "Ehe" für Sie ein Ablauf-Datum oder soll sie längerfristig bestehen?

Stronach: "Für mich gibt es kein Ablaufdatum. Unser Ziel war es immer, mit der Austria Meister zu werden und in Europa an der Spitze mitzuspielen. Ich werde diesen Weg auch weiterhin konsequent verfolgen und denke überhaupt nicht daran, mich davon abbringen zu lassen. Ich engagiere mich aus einer sozialökonomischen und gesellschaftlichen Verpflichtung heraus, für die wir laut unserer Magna Charta zwei Prozent des Jahresgewinns ausgeben. Außerdem haben wir als Magna eine gewisse Position und damit auch eine Verantwortung, die uns nicht launisch und willkürlich handeln lässt."

Dietrich Mateschitz ist mit Red Bull in den Salzburger Fußball eingestiegen und hat damit für Austria noch mehr Konkurrenz erzeugt. Wie sehen Sie das Engagement samt Berater Franz Beckenbauer und was trauen Sie dieser Mannschaft national und international zu?

Stronach: "Mich freut es, wenn ein weiterer Weltkonzern in den heimischen Fußball investiert. Konkurrenz belebt das Geschäft, das hebt das Niveau. Ich finde es sehr positiv, wenn es einen gesunden Konkurrenzkampf gibt. Zudem wird es damit vielleicht auch für andere Großkonzerne interessant, in den Fußball zu investieren."

Die Austria verfügt über ein Budget von 25 Millionen Euro, Salzburg - so hört man - angeblich über eines von über 30 Millionen. Haben Sie vielleicht wegen der Aufrüstung der Gegner die Absicht, der Austria noch mehr Geld zukommen zu lassen?

Stronach: "Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben bereits vor längerer Zeit damit begonnen, die Kosten zu optimieren. Es sind Fehler in der Personalplanung passiert, das bringt auch Reibungsverluste mit sich. Aber ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen. Wir haben hier ein System drinnen, mir geht es um einen langfristigen Aufbau, ich will Ruhe und Harmonie im Klub haben."

Austria Magna holte zuletzt den ÖFB-Cup, war im UEFA-Cup-Viertelfinale, in der Meisterschaft aber nur Dritter. Welche Ziele stecken Sie dem Verein für die aktuelle Saison?

Stronach: "Man muss sich im Leben immer an den Besten orientieren, deshalb wollen wir auch heuer so viele Erfolge wie möglich feiern. Wer etwas Großes erreichen will, muss etwas Übergroßes anstreben. Dass wir auf einem sehr guten Weg sind, haben wir im UEFA-Cup bewiesen. Langfristig soll der Klub Österreichs Topverein sein, der sich auch international in der europäischen Elite etabliert und damit zu einem Aushängeschild der Republik wird."

Die Austria hat mit Lasnik, Schiemer, Linz, Ulmer, Netzer einige junge Österreicher verpflichtet oder zurückgeholt. Soll das neue Trainer-Duo Stöger/Schinkels die junge Welle forcieren oder alles der Rückeroberung des Titel untergeordnet werden?

Stronach: "Natürlich wollen wir den Titel gewinnen, aber wir müssen auch an die Zukunft denken. Seit der Gründung der Akademie vor fünf Jahren in Hollabrunn war es unser Ziel, dass wir einmal eine Austria-Mannschaft haben, die zu einem überwiegenden Teil aus Akademie-Abgängern besteht. Ein Unternehmen, das nicht in die Forschung investiert, ist zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen ehrliche Kämpfer, die ein Herz für Austria haben."

Wie weit ist das Stadion-Projekt gediehen? Steht ein Standort schon fix fest, bis wann ist mit der Fertigstellung zu rechnen?

Stronach: "Wir wollen ein Stadion bauen. Ich freue mich sehr, dass Bürgermeister Michael Häupl sich so klar deklariert und die Stadt Wien die notwendigen Maßnahmen gesetzt hat. Ich hoffe, dass Ende des Sommers die offenen Fragen geklärt sind und wir konkret beginnen können."(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen"

Share if you care.