Rom: Extremisten zu Anschlag in Italien bereit

17. Juli 2005, 20:26
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"Es gibt heute bereits logistische Zellen mit dem Potenzial zuzuschlagen" - Parlamentsausschuss berät mit Geheimdienstchef

Rom - Extremistische Zellen sind nach Einschätzung des Chefs des parlamentarischen Geheimdienstausschusses zu Anschlägen in Italien bereit. Allerdings gebe es keine Informationen über konkrete Pläne, sagte Enzo Bianco am Donnerstag nach Beratungen des Ausschusses mit dem Chef der italienischen Geheimdienste, Nicolo Pollari.

"Logistische Zellen mit dem Potenzial zuzuschlagen"

"Es gibt heute bereits logistische Zellen mit dem Potenzial zuzuschlagen", erläuterte Bianco vor der Presse in Rom. "Deshalb denken wir - ohne in Panikmache verfallen zu wollen - das unser Land gefährdet ist." Es sei bekannt, dass Italien ein mögliches Anschlagsziel sei. "Es liegen keine genauen Informationen vor, die darauf hindeuten, dass ein Anschlag vorbereitet wird. Wir wissen nicht wo, wissen nicht wann, wissen nicht wie."

Innenminister forderte Verschärfung der Sicherheit im Land

Nach den ersten Selbstmordanschlägen in Westeuropa in der vergangenen Woche in London hatte Innenminister Giuseppe Pisanu gewarnt, der Terrorismus klopfe an der Tür Italiens. Pisanu forderte eine Verschärfung der Sicherheit im Land. Am Freitag will die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi darüber beraten. Allerdings hat Berlusconi bereits Forderungen seines Koalitionspartners Lega Nord zurückgewiesen, die Sicherheit an den italienischen Grenzübergängen zu erhöhen und stärker gegen illegale Einwanderung vorzugehen.

Bianco zufolge ist die illegale Einwanderung angesichts der terroristischen Bedrohung nicht die zentrale Frage. "Wir haben die Anschläge vom 11. September in New York, die in Madrid und vor ein paar Tagen in London gesehen: Die Terroristen waren jedes Mal schon in den Ländern oder legal eingereist." Bei den Anschlägen vergangener Woche in London wurden mehr als 50 Menschen getötet und Hunderte verletzt. In Italien hatte die Polizei am Mittwoch bei landesweiten Razzien gegen mutmaßliche Moslemextremisten 174 Menschen festgenommen. (APA/Reuters)

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