Streit über Geste an Sudetendeutsche spitzt sich zu

20. Juli 2005, 12:20
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Präsident Klaus über Premier Paroubek: "Ich habe das Gefühl, dass er jede Vernunft verloren hat"

Prag - Die Auseinandersetzung zwischen dem tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus und Regierungschef Jiri Paroubek hinsichtlich der von dem sozialdemokratischen Premier angekündigten Versöhnungsgeste gegenüber sudetendeutschen Antifaschisten spitzt sich zu. Klaus wies am Donnerstag Aussagen Paroubeks zurück, wonach er (Klaus) wegen seiner ablehnenden Position gegenüber der Initiative "in eine eigenartige Gesellschaft geraten ist". Der Regierungschef hatte damit die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich gemeint.

"Ich betrachte seine Worte als außerordentlich frech. Ich habe das Gefühl, dass er jede Vernunft verloren hat", sagte Klaus dem tschechischen Fernsehsender "Nova". Er wies zudem Vorwürfe von Seiten Paroubeks zurück, wonach er (Klaus) die Initiative "nicht begriffen hat". "Ich verstehe sie sehr gut", bekräftigte das Staatsoberhaupt.

Paroubek: Neben Klaus nur konservative oppositionelle Demokratische Bürgerpartei dagegen

Laut Paroubek ist neben Klaus nur die konservative oppositionelle Demokratische Bürgerpartei (ODS), deren Ehrenvorsitzender der Präsident ist, unter den politischen Kräften in Tschechien, die gegen das Vorhaben einer noch nicht genauer definierten Versöhnungsgeste sind, ebenso wie die die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich.

Paroubek sagte nach einem Zusammentreffen mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) am Donnerstag in Wien, die Geste solle "alle wichtigen Parteien" einbeziehen. Der Premier präzisierte, seine Initiative betreffe jene sudetendeutschen Antifaschisten, die sich am Kampf gegen das nationalsozialistische Regime im Zweiten Weltkrieg sowie auch davor beteiligt hätten. (APA)

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