Ex-Botschafter Wilson fordert Rücktritt von Rove

18. Juli 2005, 07:53
posten

US-Präsident gibt Berater in Geheimdienstaffäre iIm Fall der enttarnten CIA-Agentin Rückendeckung - Wilson spricht von Racheakt

Washington - In der US-Politaffäre um die Enttarnung einer CIA-Agentin hat deren Ehemann, der frühere Botschafter Joseph Wilson, den Rücktritt von Präsidentenberater Karl Rove gefordert. Im Fernsehsender NBC erhob Wilson am Donnerstag den Vorwurf, der Name seiner Frau sei vor zwei Jahren als Racheaktion für seine Kritik an der Begründung des Irak-Kriegs an die Medien verraten worden.

Roves Anwalt Robert Luskin hatte in der vergangenen Woche im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Newsweek" zugegeben, dass sein Mandant damals mit dem Journalisten Matthew Cooper vom "Time"-Magazin über Wilsons Frau gesprochen habe. Rove habe aber in dem Gespräch den Namen von Wilsons Frau nicht genannt.

Enttarnung eines Undercover-Agenten

Die Enttarnung eines Undercover-Agenten ist nach den US-Gesetzen strafbar. Der Fall der enttarnten Agentin wird deshalb von einem Sonderermittler untersucht. Wilson hob hervor, dass seine Frau, die in den Medien unter ihrem Mädchennamen Valerie Plame bekannt ist, offiziell seinen Nachnamen angenommen habe. Deswegen tauge das Argument nicht, Rove habe in dem Gespräch den Namen der Agentin nicht genannt. "Er hat sie identifiziert", sagte Wilson.

Bush nahm unterdessen mit einer symbolischen Geste seinen unter massiven Druck geratenen Chefberater in Schutz. Am Donnerstag marschierte er Seite an Seite mit Rove vom Weißen Haus zu dem Hubschrauber, der beide in den US-Staat Indiana bringen sollte. Normalerweise schreitet der Präsident beim Gang zu seinem Helikopter immer weit vor seinen Gehilfen her, damit ihn die Kameras allein einfangen. Bush hatte noch vor einem Jahr gesagt, dass er jeden Mitarbeiter feuern würde, der die Identität der Agentin preisgegeben habe. Inzwischen verweigert das Weiße Haus aber unter Berufung auf die laufenden Ermittlungen jede Stellungnahme zu dem Fall.

Wilson spricht von Racheakt

Wilson war vor dem Irak-Krieg im Auftrag des Geheimdienstes CIA nach Niger gereist, um den Vorwürfen nachzugehen, der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein habe sich in den westafrikanischen Land Uran für Atomwaffen zu beschaffen versucht. Er kam zu der Erkenntnis, dass die Vorwürfe nicht zu halten waren. Als Bush dennoch an ihnen festhielt, bezog Wilson in einer Zeitungskolumne Stellung gegen den Präsidenten. Wenige Tage später tauchten dann der Name und Beruf seiner Frau in den Medien auf. Wilson sprach schon damals von einer Racheaktion der Regierung und nannte Rove als eine mögliche Quelle.

Die Affäre hatte sich in den vergangenen Monaten noch sehr stark auf die Weigerung zweier Journalisten konzentriert, dem zuständigen Gericht die Namen ihrer geheimen Informanten zu verraten, mit denen sie über die Affäre gesprochen hatten. Cooper, der einen Artikel über die Affäre für die Online-Ausgabe von "Time" verfasst hatte, sagte in der vergangenen Woche schließlich zu, über seinen Informanten auszusagen, da er von diesem dafür grünes Licht bekommen habe. Cooper entging dadurch in letzter Minute der Beugehaft. Seine Kollegin Judith Miller von der "New York Times" wollte dagegen ihr Schweigen nicht brechen und wurde deshalb ins Gefängnis geschickt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wilson spricht von Racheakt

Share if you care.