Portugal: Mehr als 3000 Waldbrände in diesem Jahr

20. Juli 2005, 08:07
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Hitze und Dürre so schlimm wie seit 60 Jahren nicht - Ausmaß der Brände bricht Rekorde

So schlimm wie seit 60 Jahren nicht plagen Hitze und Dürre die Menschen in Portugal, die Folge sind verheerende Walbrände in einem Ausmaß, das alle Rekorde bricht.

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Lissabon - Die Lage ist dramatisch. Die staatliche Stelle für die Bekämpfung von Waldbränden (ANIF) hat die Bürger Portugals aufgerufen gegen die Bedrohung der Wälder durch das Feuer mobil zu machen. Durch die anhaltende Hitzewelle und dem fehlenden Regen ist die Waldbrandgefahr im Land an der Algarve so hoch wie noch nie.

Und Entwarnung ist keine in Sicht. Die Temperaturen steigen in den nächsten Tagen noch weiter. Die Niederschläge in den vergangenen zwölf Monaten waren so niedrig wie seit 60 Jahren nicht mehr. Der Chef der ANIF, General Ferreira da Amaral, beklagt, dass allein zwischen dem 15. Mai und 15. Juni zehnmal so viele Waldbrände ausbrachen wie im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Mindestens 30.000 Hektar Wald (das entspricht rund drei Viertel der Fläche von Wien) sind seit Jahresbeginn abgebrannt. Vom 1. Januar bis zum 1. Juli brannte es insgesamt fast 3375-mal. Das ist mehr als der Jahresschnitt in den vergangenen fünf Jahren. Und das, obwohl bereits die vergangenen zwei Sommer alle Rekorde schlugen.

20 Feuer um Porto Besonders betroffen ist die Region um die Hafenstadt Porto. Dort sind momentan mehr als 20 Feuersbrünste aktiv. Auch südlich von Porto rund um Aveiro brennt es unaufhörlich. Und in der Nähe von Nahe Gouveia in der Landesmitte erfassten die Flammen den Naturpark der Serra da Estrela. Allein dort sind mehr als 80 Feuerwehrleute mit Unterstützung eines Löschhubschraubers im Einsatz.

Die Löscharbeiten sind wegen des schwer zugänglichen Geländes sehr kompliziert. Die Feuerwehren sind rund um die Uhr im Einsatz. Trotz der verheerenden Statistiken haben sie Erfolg. Zwar steigt die Zahl der Brände, doch geht die jeweils betroffene Fläche zurück. Denn die Einsätze sind seit den Erfahrungen der vergangenen Jahre besser geplant und die Brandbekämpfer besser ausgerüstet. Die Regierung hat nach dem besonders katastrophalen Sommer 2003 rund 24 Millionen Euro investiert.

Gefährliche Arbeit

Doch dies sei noch immer nicht genug beklagen die Feuerwehren. Sie machen die ihrer Ansicht nach noch immer mangelhafte Ausrüstung für die Toten und Verletzten in ihren Reihen verantwortlich. Drei Brandbekämpfer sind bereits in den Flammen gestorben, 136 wurden schwer verletzt. 2004 kamen 20 Menschen in den Flammen ums Leben.

Die Brandbekämpfung wird allerdings von Tag zu Tag schwieriger. Nicht nur die steigenden Temperaturen und der Wind machen den Feuerwehrleuten zu schaffen. Jetzt sind auch erste Stauseen leer. Die Löschhubschrauber müssen immer weitere Wege zurücklegen, um Wasser aufzunehmen.

Auch im benachbarten Spanien kämpfte die Feuerwehr dieser Tage gegen mehrere Waldbrände. In Galicien, das an den Norden von Portugal anschließt, brachen in der Nähe der Stadt Ourense sieben Feuer gleichzeitig aus. Die Behörden sprechen von Brandstiftung. (Reiner Wandler, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Juli 2005)

  • Die Löscharbeit an den Flammenwänden in Portugals Wäldern ist für die Feuerwehrmänner extrem gefährlich.
    foto: epa

    Die Löscharbeit an den Flammenwänden in Portugals Wäldern ist für die Feuerwehrmänner extrem gefährlich.

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