NÖ: Öffentliches Leihrad bleibt vorerst Freirad

15. Juli 2005, 20:57
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Liebäugeln mit einem per Handy zu bedienenden Verleihsystem endete mit der Einsicht in technische Probleme

Die niederösterreichischen Gratisräder bleiben weiter gratis. Das Liebäugeln der Betreiber mit einem Satelliten gestützten, per Handy zu bedienenden Verleihsystem, das ein geringes Benutzungsentgelt zufolge gehabt hätte, endete mit der Einsicht in technische Probleme.

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St. Pölten - Die Weite des Landes widersetze sich dem Einsatz moderner Technik beim öffentlichen Fahrradverleih, schildert Robert Stögner. Zu einem Teil bedauert er das: Als Leiter des mit insgesamt 300.000 Euro dotierten niederösterreichischen Gratisfahrradprojekts Zweirad-Freirad ist der Mitarbeiter des Klimabündnisses schon seit einem dreiviertel Jahr auf der Suche nach Möglichkeiten, Betriebskosten einzusparen.

Sparpotenzial sehen Stögner und die Landesverantwortlichen vor allem bei der Rad- und Radfahrerbetreuung. Diese wird in jeder der derzeit 23 Zweirad-Freirad-Partnergemeinden von eigenen Mitarbeitern erledigt; oftmals von Gemeindeangestellten im kommunalen - und zusätzlich remunerierten - Nebenjob. Mit dem Vorteil einer gewissen sozialen Kontrolle: Der face-to-face-Verleih verhindere Vandalismus und Fahrradklau, konzedierte auch der damals zuständige Umweltlandesrat Wolfgang Sobotka (VP).

Dennoch: Die Angestellten könnten durch moderne Kommunikationstechnik ersetzt werden, meinten die Radverleiher im vergangenen Oktober. Ihr Vorschlag: Ein Satelliten gestütztes System, das von willigen Freiradlern per Handy oder Tastaturtelefon freigeschlossen werden kann. In einem ersten Schritt würden die Räder allesamt online gestellt, sodass die Nutzer über sie - in Schritt zwei - verfügen könnten, schilderte Stögner damals dem STANDARD.

Natürlich, so der Koordinator in weiterer Folge, kämen bei einem solchen Verleihsystem auch Kosten zusammen. Also würden künftige Zweiradler keine wirklichen Freiradler mehr sein: Eine "sehr geringe Benützungsgebühr" stehe vor der Einführung, hieß es im Juni. Zum Vergleich: Auch die von der Gewista in Wien betriebenen Citybikes kosten nach einer ersten Gratisstunde einen Euro in Stunde zwei, zwei Euro in Stunde drei und vier Euro pro sechzig Minuten ab Stunde vier.

Übertragungsprobleme Eine Rad-Benutzungsgebühr wäre auch in Niederösterreich Realität geworden, hätten sich - so Stögner am Donnerstag - die "technischen Voraussetzungen" der Handyverleihmethode nicht als "ungeeignet" herausgestellt. Konkret sei es bei Tests "zu Übertragungsproblemen" mit den Handys gekommen.

Also bleibe vorerst "alles beim Alten", verkündet Schröder - und freut sich zu einem Teil über diese Entwicklung. Immerhin seien die niederösterreichischen Zweiräder als echte Freiräder bisher "sehr erfolgreich". (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Juli 2005)

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