A1 funkt auch am Schwarzen Meer

27. Juli 2005, 17:12
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Mit dem Kauf des bulgarischen Mobilfunkers M-Tel um 1,6 Milliarden Euro hat die Telekom Austria ihre Funkverbindung in Südosteuropa deutlich verstärkt

Die Route zwischen Bodensee und Schwarzem Meer hat einen großen weißen Flecken weniger. Denn mit der Übernahme des bulgarischen Mobilfunkers Mobiltel (M-Tel), die am Donnerstag offiziell finalisiert wurde, hat die Telekom Austria (TA) ihre Funkverbindung in Südosteuropa deutlich verstärkt. Die Kundenzahl der in Österreich, Slowenien, Kroatien und Liechtenstein funkenden A1-Gruppe steigt damit um 3,2 auf rund acht Millionen, der Umsatz (auf Basis 2004) um 486,3 Millionen auf 2,126 Milliarden Euro. Da die M-Tel im Vorjahr ihren Nettogewinn um 10,5 Prozent auf 203 Mio. Euro gesteigert hat, ist der Neuerwerb von Beginn an ein Ertragsbringer, sie soll das Nettoergebnis im zweiten Halbjahr bereits um 30 bis 45 Mio. Euro auffetten.

Warnung vor überzogenen Gewinnerwartungen

Mobilkom-Chef Boris Nemsic warnte in der Pressekonferenz in Sofia allerdings vor überzogenen Gewinnerwartungen: Mit dem dritten Handyfunker BTC (ein Ableger der Bulgarischen Telekom, der vom Finanzinvestor Advent kontrolliert wird, Anm.) werde der Wettbewerb härter und an der Preisschraube gedreht. Den Marktanteil von knapp 67 Prozent tunlichst halten muss bei M-Tel übrigens der 36-jährige Josef Vinatzer, bis vor Kurzem Chef der kroatischen TA-Tochter Vipnet und nunmehr Mobiltel-CEO. Der Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro – das größte Auslandsinvestment eines österreichischen Unternehmens nach der Petrom-Übernahme durch die OMV in Rumänien – enthält die im Dezember erworbene Kaufoption um 80 Mio. Euro, 500 Mio. Euro Verbindlichkeiten und ist teilweise an den Geschäftserfolg gekoppelt. 182 Mio. Euro sind Ende September fällig, weitere 100 Mio. Euro erst Ende 2005.

Personalstand bleibt

Eine Reduzierung des Personalstands von 2295 sei in Bulgarien nicht notwendig, versicherte TA-General Heinz Sundt. Das Unternehmen sei hervorragend aufgestellt. Sparen will Finanzchef Stefano Colombo dafür durch Umschuldung: Die im November von M-Tel begebene 200- Millionen-Euro-Anleihe wird vorzeitig getilgt, die TA refinanziere sich günstiger. Um Marktführer in Südosteuropa zu werden, wird am Lückenschluss zwischen Wien und Sofia intensiv gearbeitet. Es wird allerdings noch dauern, denn sowohl bei der serbischen Mobtel als auch bei Eronet in Bosnien- Herzegowina sind derzeit die Gerichte am Zug. Wie in Südosteuropa häufig, sind auch hier die Eigentumsverhältnisse mysteriös, wobei sich die TA bei der Mobtel insofern bessere Chancen ausrechnen kann, als dort bereits die Investoren Schlaff/ Taus/Cordt investiert sind und die TA mit dem Konsortium seit dem M-Tel-Kauf in bestem Kontakt steht. Sundt rechnet bei Mobtel im Frühjahr 2006 mit Bewegung. Bei Eronet, wo die Deutsche Telekom Gegenspieler der TA ist, dürfte es etwas länger dauern. (DER STANDARD, Print Ausgabe, 15.07.2005)

Luise Ungerboeck aus Sofia
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