OÖ: Rundfahrt auf enteignetem Grünland in Hörsching

15. Juli 2005, 20:57
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Straßenbauprojekt sorgt für einen heftigen Kommunalzwist - Landwirtsehepaar wurde enteignet

Ein Straßenbauprojekt sorgt im Bezirk Linz-Land in Oberösterreich für einen heftigen Kommunalzwist. Nachdem sich ein Landwirtsehepaar geweigert hatte, seinen Grund zum "Dumpingpreis" an die Gemeinde abzutreten, wurde es vom Land enteignet.

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Hörsching/Linz - In der Gemeinde Hörsching im Bezirk Linz-Land ist seit geraumer Zeit der Kommunalfrieden dahin. Der Grund für den Streit ist exakt 2110 Quadratmeter groß und stand bis zur bereits erfolgten Enteignung unumstritten im Besitz des Landwirts-Ehepaars Hans und Ursula Aumayr.

Dann hegten Gemeinde und Land Oberösterreich den Wunsch nach einem verkehrsberuhigenden Kreisverkehr. Als ideal erachtete man dafür ein im Gemeindezentrum gelegenes Grundstück der Aumayrs. Über den weiteren Verlauf scheiden sich die Geister: "Uns hat man nie zu Gesprächen eingeladen. Wir haben zufällig am Wirtshaustisch davon erfahren, dass wir den Grund verkaufen sollen", kritisiert Ursula Aumayr im STANDARD-Gespräch. Stein des Anstoßes war vor allem der gebotene Kaufpreis von 12,80 Euro pro Quadratmeter. "Eine absolute Frechheit bei sonst üblichen Preisen im Zentrum zwischen 90 und 100 Euro", klagt Aumayr.

"Stimmt doch alles nicht", kontert Bürgermeister Anton Korepp (SP). Frau Aumayr sei schon seit Jahren bekannt als "Gemeinde-Schlachtross, das nur für Unfrieden sorgt". Man habe intensiv versucht einen Konsens zu finden, aber da sich die Aumayrs nur "quer gestellt haben", sei letztlich eine Enteignung unausweichlich gewesen. Zu den niedrigen Grundstückspreisen merkte Korepp an, dass diese "halt generell im letzten Jahr stark gefallen sind".

Schottergruben-Deal

Ein unabhängiger Sachverständiger sieht das in einem - dem STANDARD vorliegenden - Gutachten dennoch anders und schätzt das "Grünland mit Entwicklungspotenzial auf 40 Euro pro Quadratmeter". Man habe Familie Aumayr im Übrigen auch ein Ersatzgrundstück angeboten, welches aber nicht angenommen wurde, verteidigt sich Korepp. "Das war eine zugeschüttete Schottergrube. Als Tausch wohl ein schlechter Scherz", entgegnet Ursula Aumayr.

Bereits rund 49.000 Euro hätten die (verlorenen) Prozesse verschlungen, doch man werde nicht aufgeben. "Unser Grundstück hat man uns zum Dumpingpreis einfach weggenommen. Wir haben das Geld aber nicht angerührt, sondern auf einen höheren Quadratmeterpreis geklagt", erklärt Aumayr.

"Es ist alles korrekt gelaufen. Eine Enteignung ist immer eine schwierige Sache, aber wenn man sich trotz aller Bemühung nicht einigen kann, müssen wir zu solchen Mitteln greifen", stellt der Karl Wögerbauer, Chef der Baurechtsabteilung, klar. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Juli 2005)

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