Kopf des Tages: Bernie Ebbers - Unrühmliches Ende einer Topkarriere

31. Juli 2005, 18:34
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25 Jahre Gefängnis für den ehemaligen WorldCom-Chef Bernard Ebbers.

Bernard Ebbers den USFederal Court in New York am Mittwoch verließ, hatte er Tränen in den Augen. 25 Jahre Gefängnis sind eine lange Zeit – ganz besonders für einen 63- Jährigen. Es ist die höchste Gefängnisstrafe, die jemals gegen einen Kriminellen "mit weißem Kragen" ("white collar") – also keine Gewaltdelikte – verhängt wurde. Die Botschaft an die amerikanischen Wirtschaftsbosse ist klar: kein Verständnis für Privataktionen auf Kosten der Aktionäre; kein Pardon für Bilanzmanipulationen. Doch soll sich der Gründer und ehemalige Chef des Telekomunternehmens WorldCom nicht persönlich bereichert haben – wie von der Verteidigung mehrfach erfolglos vorgebracht. Ebbers, den das Magazin Forbes noch im Jahr 2000 auf die Liste der weltweit Reichsten 400 setzte, bevorzugte in den Jahren des Erfolgs keine luxuriöse Lebensführung. Vielmehr zeigte sich der 1,90 Meter große Hüne auch beruflich unkonventionell in Cowboystiefeln und Jeans und arbeitete privat gern auf seiner riesigen Sojabohnen- und Rinderfarm. Und er nahm Firmenkredite dafür auf, um persönliche Schulden zu tilgen. Die Geschworenen haben ihm nicht abgenommen, dass er von den jahrelangen Bilanzfälschungen in Milliarden- Dollar-Höhe nichts gewusst habe. Oder dass im Rahmen einer "kreativen" Buchhaltung Mietkosten – etwa für Telefonleitungen – als Investitionen geführt wurden.

Darling der dot.com-Blüte

Lange Zeit war Bernie, wie er flott genannt wird, der Darling des Internethype-Zeitalters, in dem alles möglich und kaufmännische Vorsicht rückständig schien. Mehr als 60 Akquisitionen tätigte er, darunter im Herbst 1998 die des damals sehr viel größeren Konkurrenten MCI. Bezahlt wurde mit WorldCom-Aktien. Ein viel zitierter Satz von ihm lautet: "Mir hat es geholfen, dass ich von vielem, was in dieser Branche vorgeht, nichts verstehe." Dementsprechend versuchte er vor Gericht die Schuld an dem Finanzdebakel seinem früheren Finanzchef Scott Sullivan zuzuschieben. Ebenfalls erfolglos. Sullivan konnte glaubhaft machen, Ebbers habe seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt, die Bilanzen zu frisieren. Damit endet die Karriere eines als außergewöhnlich charismatisch und durchsetzungsfähig beschriebenen Aufsteigers, der Mitte der 80er-Jahre eine kleine Telefongesellschaft gegründet hatte. Und der noch vom ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in einer Rede als Beispiel des glorreichen Internetzeitalters bezeichnet worden war. Der aus kleinen Verhältnissen stammt und sich nach dem Highschool-Abschluss als Milchmann, Lehrer, Basketballtrainer und Motel-Betreiber durchschlug. Der in zweiter Ehe verheiratete Ebbers ist tief religiös. Vielleicht hilft das im Knast. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print Ausgabe, 15.7.2005)

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