Musik in Stronachs Ohren

18. Juli 2005, 14:21
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Das Stürmerduo Rushfeldt/Linz wird der Austria viel Freude bereiten, nach der ersten Runde ist das kein riskanter Tipp - Dafür bereitet ihr ein Verteidigerduo Sorgen

Südstadt - Man kann der Admira viel nachsagen, unmusikalisch ist sie nicht. Da gibt's eine Kapelle in der Südstadt, eine Kapelle mit Pauken und Trompeten, eine Kapelle mit dem Ärmel und dem Atem für neunzig Minuten. "Wickie" ertönt noch vor dem Anpfiff, Roland Linz schießt die Austria nach vier Minuten mit 1:0 in Führung, und wie reagieren die Musikanten? Mit "Bergvagabunden sind wir, ja wir".

Vor der Fröhlichkeit war das Chaos. Die Vorbeifahrt am Stadion gesperrt, Parkplätze auf der Autobahn-Auffahrt, unzählige Fans auf Irrfahrt durch die SCS. 9200 Zuseher, das drückt die Südstadt nicht durch. Endlose Schlangen an den Kassen, Dutzende Fans, die sich die ersten Spielminuten aufzeichnen können. Zur Pause kommen im "Buffet" vier arme Menschen mit dem Bierausschenken nicht nach. Auch die Kapelle legt eine Pause ein, also macht sich vom Band ein anderes Orchester mit "Don't bring me down" wichtig. Die Admira kann Aufmunterung brauchen, die Austria führt schon 2:0, Linz hat ein weiteres Mal genetzt.

Die Kapelle meldet sich mit einer bekannten Hymne zurück, den Text kann man sich nach Lust und Laune dazu denken, entweder "Deutschland, Deutschland über alles" oder "Gott erhalte, Gott beschütze". Auch die Admira ist plötzlich da, Roman Wallner wird zweimal von Sasa Papac gehalten, der sieht Rot, dann fällt mit Mikael Antonsson ein weiterer Austria-Verteidiger aus - Muskelfaserriss im Oberschenkel, einige Wochen Pause. Nino Bule verkürzt auf 1:2, wieder ist die Konserve an der Reihe, der adaptierte Songtext drängt sich auf: "Hey, ab in die Südstadt, der Admira hinterher" und so weiter.

Admiras Wallner bezeichnet die knappe Niederlage als "unglücklich", man habe sich "die zwei Tore selbst geschossen", habe sich "gut verkauft". Tatsächlich sieht es so aus, als würde der Admira ein starker Verteidiger fehlen, Akoto allein hält die Abwehr nicht zusammen. Mit der Austria ist natürlich zu rechnen, Frank Stronach ortet "eine gute Harmonie" und hat "ein gutes Gefühl". Es ist quasi Musik in seinen Ohren, wenn die Anhänger ihre Lieder auf junge Österreicher wie Roland Linz und Andreas Lasnik singen. Lasnik kam von Ried, Stronach nennt ihn schon jetzt "einen der besten österreichischen Spieler". Trainer Frenkie Schinkels betont: "Wir haben die Jungen nicht nur fürs Mannschaftsfoto geholt."

Linz selbst hebt das Zusammenspiel mit Sigurd Rushfeldt hervor. "Wir verstehen uns, wir akzeptieren uns, keiner ist dem anderen etwas neidig." Und die Admira-Kapelle gibt als Zugabe den Radetzkymarsch. Was sonst? (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 15. Juli 2005, Fritz Neumann)

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    Roland Linz hat Admira-Goalie Thomas Mandl einmal übersprungen (Bild) und zweimal überwunden.

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