Tatort auf vier Rädern: Delikte rund ums Auto

15. Juli 2005, 20:57
1 Posting

Im Vergleich zum europäischen Ausland ist man im eigenen Auto in Österreich immer noch relativ sicher

Ein Anhalter hat in Wien einen Tschechen in dessen Wagen betäubt, ans Lenkrad gekettet und bestohlen. Im Vergleich zum europäischen Ausland ist man im eigenen Auto in Österreich aber immer noch relativ sicher vor Räubern und Dieben, betont die Exekutive.

***

Wien - Freundlichkeit lohnt sich nicht immer. Vor allem nicht, wenn es um Autostopper geht. Diese Erfahrung musste ein 39-Jähriger machen, der Mittwochnacht in Wien Opfer eines in Österreich bisher unüblichen Verbrechens wurde.

Der Tscheche war auf dem Weg nach Leoben, als er in Poysdorf (Bez. Mistelbach) eine Rast auf einem Feldweg einlegte. "Dort ist er dann von einem Mann auf slowakisch angesprochen worden, ob er nach Wien fährt", schildert Karl Zuwach vom Kriminalkommissariat Nord. Der Tscheche stimmte zu und brachte den Anhalter bis zur Wiener Stadtgrenze.

In der Brünner Straße, wollte der Unbekannte kurz vor 23 Uhr aussteigen. Als Marek M. stoppte, zückte der Autostopper allerdings ein Betäubungsmittel, wahrscheinlich Pfefferspray, und setzte in außer Gefecht. Zusätzlich kettete der Täter den 39-Jährigen mit Handschellen an das Lenkrad.

"Der Besitzer hat nach der Sprayattacke noch den Autoschlüssel abziehen und aus dem Fenster werfen können", berichtet Kriminalist Zuwach. Der Anhalter stahl von der Rückbank einen Laptop und eine Digitalkamera, ehe er verschwand. Sein Opfer konnte noch die Warnblinkanlage einschalten, kurz darauf wurde er gefunden.

Ähnlicher Vorfall erst vor einem Monat

Ein ähnlicher Vorfall hat sich erst vor knapp einem Monat ereignet. Ein Wiener hatte zwei Autostopper auf dem Weg Richtung Linz mitgenommen, nach kurzer Fahrt hielten ihm die Männer allerdings eine Pistole an den Kopf, raubten ihn aus und verschwanden mit zwei Komplizen in einem wartenden Wagen.

Generell seien solche Vorfälle in Österreich aber "sehr sehr selten", betont Gerald Hesztera, Pressesprecher des Bundeskriminalamtes. Wiewohl er davon abrät, Anhalter mitzunehmen. Auch das Carnapping oder Carjacking (von Kidnapping und Hijacking), bei dem Fahrer an roten Ampeln oder an vorgetäuschten Unfallstellen aus ihrem Wagen gezerrt werden und ihr Auto gestohlen wird, komme extrem selten vor.

Frauen an roten Ampeln aufgelauert

Das eigene Auto als Tatort gibt es aber auch noch in einer anderen Variante. Im Mai erwischte die Wiener Polizei zwei Georgier, die in mindestens zwölf Fällen Frauen an roten Ampeln auflauerten, die Seitentür aufrissen und auf dem Beifahrersitz liegende Handtaschen stahlen.

Im europäischen Ausland seien diese Diebstähle aber durchaus üblich, erläutert Hesztera. In Spanien würden Täter auf Motorrädern sogar mit einem Hammer die Scheiben einschlagen, die Wertsachen stehlen und davonbrausen. In Österreich hat sich der Diebstahl aus dem besetzten Auto bis heute nicht durchgesetzt, ist Ernst Geiger von der Kriminaldirektion 1 froh. Der Grund: "Die ,Einheimischen' haben das nie gemacht und die Italiener und Spanier kommen nicht zu uns." (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Juli 2005)

Share if you care.